Interview mit Marjana Schott

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Schulsozialarbeit muss umfassend sein

Mittwoch, 07. Oktober 2009

Rede von Barbara Cárdenas zum Antrag der Fraktion der SPD betreffend Hessen braucht endlich ein Konzept für die Schulsozialarbeit mit dem Entschließungsantrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN betreffend Schulsozialarbeit endlich auf den Weg bringen – Engagement der Kommunen nicht ins Leere laufen lassen am 7. Oktober 2009

Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen,
 
zu den „prickelnden“ Vorgängen um das bisherige Durcheinander von Zusage durch den Übergangskultusminister und Absage durch die amtierende Kultusministerin haben Frau Habermann und Herr Wagner schon alles Wichtige ausgeführt, - und ich denke, dass Frau Ravensburg dieses Durcheinander nicht wirklich hat beseitigen können.

Als bildungspolitische Sprecherin meiner Fraktion, aber auch als Psychologin und Pädagogin halte ich es für unbedingt nötig, Schulsozialarbeit zumindest mittelfristig flächendeckend den Schulen zur Verfügung zu stellen. Und zwar allen Schulen, allen Schulformen und allen Stufen.

Denn wir wissen es in allen Fraktionen und da bestehen gar keine großen Unterschiede:
Die Anforderungen an Schule sind beständig gestiegen. Mit der alleinigen Wahrnehmung des Erziehungsauftrags stoßen die Lehrerinnen und Lehrer an ihre Grenzen, und zwar sowohl, was ihre Rolle im Verhältnis zu den Schülerinnen und Schülern anbelangt, die einmal bewertend und dann wieder von persönlichem Vertrauen geprägt sein soll, als auch, was die zeitliche Möglichkeit zu individuellen Kontakten und Gesprächen mit Kindern und Eltern angeht.
 
Wenn wir ernst nehmen, dass Schule sich in mindestens in fünf Punkten ändern muss, um den Anforderungen besser zu begegnen,
-         wenn wir individuelle Bereitschaft zur Inklusion auf Seiten der behinderten Kinder, aber auch der Kinder ohne Behinderungen fördern wollen,
-         wenn die Ganztagsschule ein Lebensort werden will, in dem Schülerinnen und Schüler einen großen Teil des Tages gemeinsam verbringen und dort ihre vielfältigen Entwicklungsbedürfnisse zum Ausdruck bringen,
-         wenn Schule auf Beruf oder Studium vorbereiten und den Übergang begleiten soll,
-         wenn Schule ein Ort sein soll, wo soziales Zusammenleben und demokratisches Aushandeln von Interessen gefördert wird
-         wenn wir in Schule Amokläufen, Gewaltausbrüchen und Mobbing den Boden entziehen wollen, wenn Gewaltprävention nicht nur ein Wort bleiben soll, sondern mit vielfältigen Mediationsprogrammen umgesetzt wird und damit eine Feuerwehrfunktion der pädagogischen Kräfte in Schule nicht negiert, aber der präventiven Funktion untergeordnet ist,
dann geht kein Weg daran vorbei, mehr Sozialarbeit in allen Schulformen, Schultypen und Stufen zu etablieren. Und deshalb sollten Sie das Angebot von Herrn Wagner annehmen, mit ihm zusammen auf die Suche nach den drei Millionen zu gehen.

Aber noch etwas: In der Arbeit der Landesarbeitsgemeinschaft Schulsozialarbeit wurde immer wieder deutlich, wie vielfältig Schulsozialarbeit von den unterschiedlichsten Trägern eingesetzt wird. Es wäre nötig, angesichts der dargestellten Herausforderungen, ein übergreifendes Konzept zur Schulsozialarbeit zu erarbeiten, - und wir meinen, auch dort könnte und sollte das Land den Hut auf haben!!! Aber dies widerspricht sicher Ihren Vorstellungen von der Rolle des Landes bzw. des Kultusministerium, das sich gegenüber der Sich-Selbst-Überlassenen-Schule mit Vorgaben zurückhält.
Armes Hessen, kann ich da nur sagen…

Zu den Anträgen:
Wir bewerten das Thema Schulsozialarbeit und seine Wichtigkeit ebenso wie SPD und Bündnis 90/Die Grünen, vor allem wenn es um die Drittelfinanzierung und die Ablehnung geht, Schulsozialarbeit aus den 20 Prozent Lehrerzuweisung zu finanzieren.
Wir unterstützen den Antrag der SPD voll und ganz und im Prinzip auch den von Bündnis 90/Die Grünen. Allerdings halten wir die Formulierung „Durch Schulsozialarbeit können Schülerinnen und Schüler individueller gefördert werden als auch Lehrerinnen und Lehrer in ihrer Arbeit unterstützt und entlastet werden“ für – vorsichtig gesagt – zumindest uneindeutig. Wie wir immer wieder betonen, will DIE LINKE nicht, dass Personen ohne Lehrerausbildung, wie in diesem Fall Sozialpädagogen, den Job der Lehrerinnen und Lehrer machen und damit sowohl der Lehrerberuf wie auch die Profession des Schulsozialarbeiters entwertet werden. Schulsozialarbeit hat in der Regel einen Jugendhilfeauftrag und kann natürlich individuell im Bereich des Sozialverhaltens und der Persönlichkeitsentwicklung fördern. Ebenso kann sie Lehrerinnen und Lehrer in ihrer Arbeit, aber nicht in ihrer unterrichtlichen Arbeit, sondern insoweit sie den Erziehungsauftrag betrifft, unterstützen und entlasten.
Daher: Angesichts dieser Uneindeutigkeit im Antragstext würden wir bei einer heutigen Abstimmung den ersten Abschnitt gesondert abstimmen wollen, - dem Rest des Antrags können wir dann zustimmen.

Zum nachgelegten, Dringlichen Antrag von CDU und FDP will ich nur anmerken, dass hierin in mehreren Punkten Formulierungen enthalten sind, über die wir im Ausschuss ausführlicher sprechen sollten. Nur kurz: Absatz 1 ist völlig unzureichend, da nicht mehr als eine Absichtserklärung. Absatz 2,3 und 5 sind unstrittig. Bei Absatz 4 müsste geklärt werden, wer den Bedarf bestimmt. Absatz 6: Welche Projekte sind das? Absatz 7: nein, das geht natürlich gar nicht, wir lehnen die Sich-Selbst-Überlassenen-Schule ab.
 
Ich bedanke mich für Ihre Aufmerksamkeit.