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Das Zentralabitur selbst steht zur Diskussion

Dienstag, 25. Mai 2010

Rede von Barbara Cárdenas zur Aktuellen Stunde der Fraktion Bündnis 90/DIE GRÜNEN betreffend Erneute Panne bei zentraler Abschlussprüfung - Pleiten, Pech und Henzler im Kultusministerium am 20. Mai 2010

 

Herr Präsident, meine Damen und Herren,

die Grünen haben heute wieder Späßchen daran, die Bildungspolitik der FDP vorzuführen, mit dem Ziel, der CDU unter die Nase zu reiben, dass sie selbst der bessere Regierungspartner wären – weitaus besser als die FDP.

Im konkreten Fall geht es darum, Frau Kultusministerin Henzler vorzuführen, weil es erneut zu Pannen beim Zentralabitur gekommen ist.

Da wir meinen, dass 1. am Zentralabitur selbst und nicht nur an dessen Umsetzung grundlegende Kritik geboten ist sowie 2. die aufgetretenen Pannen als nicht so schwerwiegend wie im letzten Jahr einzuschätzen sind und zudem bei einem zentralen Vorgehen quasi zu erwarten sind, lassen Sie mich hierzu folgendes ausführen:

1. Das Kultusministerium hat für den diesjährigen Abi-Durchgang ein Vielfaches an Mitteln für Prüf-Lesungen verausgabt, um einen möglichst pannenfreien Ablauf, insbesondere im Licht der Öffentlichkeit, zu gewährleisten. Letztlich hat das auch fast reibungslos „funktioniert", Herzlichen Glückwunsch!

2. Das Zentralabitur selbst gehört überwunden und Lernen wieder dezentralisiert. Und zwar aus folgenden Gründen:

Ein Zentralabitur muss aufgrund seiner Struktur und Form im Wesentlichen Faktenwissen abfragen, es muss also einseitig abfragbares Wissen prüfen.

Dies hat einschneidende Konsequenzen für den bisherigen Unterricht in der gymnasialen Oberstufe. Für jede Lehrkraft, die ihre Schülerinnen und Schüler gut auf das Abitur vorbereiten will, führt dies zu einem Pauk- und Wiederholungsunterricht. Für das Erlernen anderer Methoden, für interessante Umwege, für kritisches Reflektieren, für schlussfolgerndes Denken, für kreativen Transfer bleiben dabei wenig bis gar keine Zeit. Damit kommen selbstständiges Arbeiten, wissenschaftspropädeutisches Lernen und Eigenverantwortung für den Lernprozess – alles Ziele der gymnasialen Oberstufe – zu kurz.

Das Zentralabitur gefährdet und verhindert den so notwendigen Erwerb von Schlüsselqualifikationen, die sowohl von der Kultusministerkonferenz (KMK) und den Gewerkschaften, aber auch von der Wirtschaft und ihren Interessensorganisationen für wichtig erachtet werden. Die Wirtschaft ist in den letzten Jahren zunehmend von zentralen, normierten Prüfungen ihres Nachwuchses und bei der Besetzung von Führungsaufgaben abgegangen, weil mit zentralen Prüfungen die Qualifikationen, auf die es heute ankommt, gar nicht geprüft werden können.

Das Zentralabitur kann die individuellen Fähigkeiten unserer Schülerinnen und Schüler nicht berücksichtigen, es muss Gleichmacherei betreiben, weil es alle wichtigen Kontextbedingungen, wie den konkreten Unterricht, die jeweiligen Lernbedingungen und die Lernsituation, die didaktische Umsetzung der Rahmen- und Strukturpläne, unberücksichtigt lassen muss. Dies wird noch dadurch verschärft, dass in Hessen geplant wird, die Arbeiten durch fremde Lehrkräfte korrigieren zu lassen.

Ergo: Es gibt nichts Richtiges im Falschen, was auf das Zentralabitur bezogen, bedeutet: Nicht die Umsetzung des Zentralabiturs gehört, wie dies alle anderen Fraktionen sehen, in den Mittelpunkt von Debatte und Kritik, sondern die Methode Zentralabitur selbst.

Ich bedanke mich.


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