Interview mit Marjana Schott

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Rede zum Weltfrauentag auf der Kundgebung d. Frankfurter Frauenbündniss

Mittwoch, 11. März 2009

Liebe Frauen,

Herzliche Grüße von der Partei DIE LINKE, für die ich im Hessischen Landtag sitze.

Wir haben morgen Weltfrauentag: Das heißt weiterhin: Massive Ungleichbehandlung und Schlechterstellung der Frauen auf der ganzen Welt.

Krieg und Verfolgung verschärfen das Problem: EIN Beispiel ist Afghanistan. Der Krieg wurde z.T. damit begründet, dass die afghanischen Frauen befreit werden sollten. Die afghanische Frauenbewegung RAWA fordert seit langem den Abzug der Besatzungstruppen: Es gibt viele bezeugte Vergewaltigungen durch Armeeangehörige, aber auch die Situation der Frauen
hat sich nicht gebessert: Die Kindersterblichkeit ist inzwischen die höchste der Welt, eines von fünf Kindern stirbt vor dem fünften Lebensjahr, nur 10% der Mütter erhalten medizinische Versorgung, viele Frauen wurden zu Witwen und damit zu Bettlerinnen.

Wie kommen wir eigentlich dazu, Frauen anderer Länder zu sagen, dass und wie sie sich befreien sollen? Wir stehen an der Seite dieser Frauen und verlangen:
Raus aus Afghanistan! Unterstützung des zivilen Wiederaufbaus!

Für Frauenrechte haben wir aber auch hier Grund, zu kämpfen:
Armut ist weiblich. Die Einkommensungleichheit zwischen Männer und Frauen ist ungerecht und verschärft das Armutsrisiko auch im Alter.

Neueste Untersuchungen zeigen:
Frauen verdienen ¼ weniger als Männer, sind deutlich seltener in Führungspositionen vertreten und sind dreimal so häufig für Kinderbetreuung und Pflege.

Die Forderungen der LINKEN:

  • um „Gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit" durchzusetzen, müssen verbindliche Verfahrensvorschriften zur Umsetzung des Artikels 141 des EU-Vertrages veranlasst werden;
  • es muss umgehend ein Gesetz zur Gleichstellung von Männern und Frauen in der Privatwirtschaft einführen;
  • es müssen Mini- bzw. Midi-Jobs in sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse transformiert werden, die volle Ansprüche auf soziale Sicherung gewährleisten;
  • ein gesetzlicher Existenz sichernder, flächendeckender Mindestlohn von 8,71 Euro.

Frauen sind mittlerweile besser qualifiziert als Männer. Warum nutzen die Unternehmen das nicht, indem sie Führungspositionen mit Frauen besetzen? Da fragt man sich schon: Ist das Patriarchat dumm? Welche Gründe gab und gibt es heute für die Diskriminierung der Frauen?

Sicher: Es gibt feministische theoretische Debatten darüber, aber die werden in Zirkeln geführt. Wir müssen sie wieder unter die Frauen bringen. Stimmt es, dass die Solidarität der Männer klassenübergreifend ist? Stimmt es, dass auch wir Frauen selbst diese Geschlechterrollen reproduzieren, dass wir unsere Töchter zur Unterordnung erziehen? Frigga Haug, wichtige feministische Autorin und Mitglied unserer Partei sagt, dass Frauen nicht nur Opfer des Patriarchats sind, sondern die Unterdrückung auch mittragen.

Wir haben eine Vision in der Partei: Wir nennen sie die Vier-in- einem-Perspektive:
Die Arbeitswoche bei Männern und Frauen soll je ein Viertel aus 1. Erwerbsarbeit, 2. Reproduktionsarbeit in der Familie, 3. Arbeit an der Gesellschaft (Ehrenamt, pol. Arbeit), 4. Arbeit an sich selbst (Weiterbildung, Muße) bestehen. Das erfordert aber einen neuen Gesellschaftsvertrag zwischen den Geschlechtern, vermutlich aber auch eine Revolution!

Mein Wunsch für den heutigen Tag und darüber hinaus:
Fordern wir unsere Rechte ein, passen wir uns nicht mehr an das konkurrenzgesteuerte Multitasking an, in dem wir stolz darauf sind, alles zu schaffen, machen wir mit bei den Sozialen Bewegungen, in der Friedensbewegung, aber auch in den Parteien!

Wir brauchen nämlich eine andere Kommunikation in den Parteien, wir brauchen weniger alte Männer, mehr junge und jung-gebliebene Frauen in den Parteien, nicht so wie die FDP im Landtag, die jetzt nur noch eine weibliche Abgeordnete in ihrer Fraktion hat.
Politik kann auch Spaß machen, lasst uns alle Sinne einbeziehen, wir brauchen Vielfältigkeit, „lieber bunt als kleinkariert" soll Politik sein.
Da, wo Quoten in den Parteien existieren (und sie sind ein Erfolg der Frauenbewegung), nutzen wir sie doch und bringen unsere Stimmen machtvoll ein!!

Nicht so bescheiden! Mehr Stolz, Ihr Frauen! Denn: wie der Flyer unserer Fraktion titelt: Ohne uns geht nichts!!

Danke