Interview mit Marjana Schott
In öffentliche Kindertages- betreuung und in ihre Qualität investieren!
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Rede zum Streit um den Hessischen Kulturpreis
Donnerstag, 18. Juni 2009
nach vier Monaten schwarz-gelber Regierung hat sich das Bild einer Pleiten-, Pech- und Pannen-Regierung gefestigt. Eine Peinlichkeit folgt der nächsten, ein Minister übertrifft den anderen, aber der Streit um die Verleihung des Hessischen Kulturpreises hat dem ganzen die Krone aufgesetzt.
Die Verleihung sollte in diesem Jahr unter das Motto interreligiöser Toleranz gestellt werden. Das ist leider gründlich schiefgegangen, aufgrund mangelnder Toleranz der Landesregierung.
Vertreter unterschiedlicher Religionen, die sich um den interreligiösen Dialog verdient gemacht haben, sollten einen gemeinsamen Preis erhalten.
Vorgesehene Preisträger waren Kardinal Karl Lehmann und der frühere hessische evangelische Kirchenpräsident, Peter Steinacker, als Vertreter der christlichen Kirchen, Salomon Korn, der Vizepräsident des Zentralrats der Juden in Deutschland und der muslimische Wissenschaftler Fuat Sezgin als Vertreter der Muslime.
Nachdem Sezgin die Annahme des Preises abgelehnt hatte, mit der Begründung, sein Mitpreisträger Salomon Korn würde die Militäraktionen Israels in Gaza befürworten, wurde die Auszeichnung dem muslimischen Schriftsteller Navid Kermani erst angetragen, kurze Zeit später jedoch wieder aberkannt.
Ausschlaggebend dafür war, dass die christlichen Mitpreisträger Lehmann und Steinacker sich kritisch zu Kermani geäußert hatten. Sie nahmen Anstoß an einem Artikel Kermanis über ein Kreuzigungsgemälde von Guido Reni, in dem er sich an einigen Stellen ablehnend zum Kreuz äußert, was auch für einen Nicht-Christen nicht völlig verwunderlich ist.
Kardinal Lehmann schrieb daraufhin einen Brief an den hessischen Ministerpräsident Koch, in dem er darlegte, dass er „unter diesen Umständen den Preis nicht in Empfang nehmen kann". In dem Brief zweifelt Lehmann die Preiswürdigkeit Kermanis an, auch mit Verweis auf sein „jugendliches" Lebensalter von 41 Jahren. Aber leider ist Alter eben kein Garant für Weisheit und schützt nicht vor Irrtum.
Denn wie so häufig in der Verständigung oder Nicht-Verständigung der Religionen und Kulturen in der Vergangenheit ist das Problem, dass die pikierten Leser den Text nicht vollständig, eingehend oder aufmerksam genug gelesen haben. Sie stoßen sich an einzelnen Textstellen, die im vollständigen Kontext einen ganz anderen Sinn ergeben als den, der bei der ersten Betrachtung ins Auge fällt.
Denn der Artikel Kermanis endet mit den Worten: „Erstmals dachte ich: Ich - nicht nur: man -, ich könnte an ein Kreuz glauben".
Versagen der Staatskanzlei
Dieses Missverständnis auszuräumen und die Teilnehmer des interreligiösen Dialoges an einen Tisch und schließlich auf dasselbe Podium zu bringen, das wäre die Aufgabe des Ministerpräsidenten und der Staatskanzlei gewesen. Wenn Kardinal Lehmann, wie er beteuert, nicht auf einen Ausschluss Kermanis aus war, sondern eher seinen eigenen Rücktritt von dem Preis ankündigen wollte, wäre es an Herrn Koch gewesen, zum einen den Artikel selbst einmal vollständig zu lesen und zu verstehen und den Kardinal dann davon zu überzeugen, den Preis gemeinsam anzunehmen. Stattdessen haben Sie es vorgezogen, dem Eindruck von Kardinal Lehmann unhinterfragt Glauben zu schenken und den Vertreter der Muslime kurzerhand von der Liste zu streichen - ohne ihn auch nur für würdig zu befinden, ihn über diese Entscheidung rechtzeitig in Kenntnis zu setzen! Der Gipfel ist, dass die Staatskanzlei dann - nach Aberkennung des Preises - noch ein klärendes Gespräch zwischen Kermani und den Mitpreisträgern organisieren wollte, nachdem sie für alle sichtbar Position bezogen hat.
Die Form, in der Kermani der ihm verliehene Kulturpreis entzogen wurde, spottet nicht nur jeder Form von Höflichkeit und ist eine beispiellose politische Dummheit, sondern ist auch integrationspolitisch ein Desaster.
Wie war man bei Herrn Sezgin verfahren, als er darauf hinwies, dass er den Preis aufgrund seiner „politischen Überzeugung und seinem kulturellen Verständnis" nicht zusammen mit Korn annehmen konnte? Man hat das akzeptiert und den muslimischen Vertreter ausgewechselt. Und was tat man bei dem Christen, der den Preis nicht zusammen mit Navid Kermani annehmen wollten? Man wechselte den Muslim aus bzw. wollte ganz auf einen Vertreter der Muslime verzichten. Das ist keine Gleichbehandlung, das setzt ein fatales Zeichen.
Was sagt Navid Kermani selbst dazu? Er hat erklärt, es sei für einen säkularen Staat „nicht hinnehmbar, dass ein Ministerpräsident auf Anweisung eines Kardinals so handelt" und kommentiert, die Angelegenheit mache deutlich, dass „Kochs Versuch, sich durch die Vermittlerrolle im interreligiösen Dialog von früheren 'schmutzigen Wahlkämpfen reinzuwaschen' [...] 'gründlich in die Hose gegangen'" sei.
Recht hat er. Wer auch immer auf dem Ehrenpodium erscheinen mag, die Landesregierung hat schon unter Beweis gestellt, dass sie keine Ehrung für die Förderung des interreligiösen Dialogs verdient hat.
Das Verhalten von Kardinal Lehmann und Professor Steinacker ist nicht wirklich akzeptabel für Menschen, die einen Preis für religiöse Toleranz bekommen sollen.
Aber die Entscheidung über die Aberkennung des Preises, der Skandal über den wir heute reden, ist alleine vom hessischen Ministerpräsidenten und dem Kuratorium zu verantworten.
Was nun?
Die diesjährige Verleihung des Hessischen Kulturpreises kann nur noch ein Desaster werden und eine Peinlichkeit für die drei möglicherweise verbleibenden Kandidaten.
Einen Preis für interreligiöse Verständigung zu verleihen und dabei die Muslime auszusparen, würde die ganze Veranstaltung ad absurdum führen.
An die Muslime, die seit dem 11. September 2001 vielerorts unter Generalverdacht stehen, die im Zuge von vermeintlicher Terrorismusbekämpfung in Rasterfahndungen geraten und verstärkt religiösen und rassistischen Vorurteilen ausgesetzt sind, muss ein anderes Signal gesendet werden.
In keinem Bild könnte greifbarer dargestellt werden, wie schlecht es um den offenen und tolerantern Dialog mit den Muslimen in Deutschland steht, als durch das Foto, auf dem der hessische Ministerpräsident den Vertretern der großen Religionen in Deutschland einen Preis verleiht und der Muslim fehlt.
Das würde als Symbol der Ausgrenzung von Muslimen wahrgenommen von vielen Menschen in Deutschland und anderen Ländern.
Deshalb sollte der Hessische Kulturpreises für dieses Jahr am besten ganz abgesagt werden. Der Schaden ist nicht mehr zu reparieren. Auch das hochkarätige Kuratorium, das entweder völlig überfordert war oder die fatale Entscheidung mitgetragen hat, muss hinterfragt werden.
Das Preisgeld ist dieses Jahr besser investiert, wenn man sie in Basisprojekte zur Förderung von Toleranz investiert, statt in kaputte Leuchttürme.
Hessen CDU und Glaubwürdigkeit
Herr Koch, Sie haben die Gelegenheit vertan, ihrem Image einen neuen toleranten Anstrich zu verpassen. Die hessische CDU bleibt verbunden mit dem Kampf für die Leitkultur, ausländerfeindlichen Wahlkämpfen und dem Anheizen gefährlicher Stimmungen.
Deutschland und Hessen sind multikulturell und multireligiös. Sie täten gut daran, sich dieser Realität zu stellen und am offenen und toleranten Miteinander der Kulturen zu arbeiten, statt Ängste und Misstrauen zu schüren.
Das wäre im Sinne derer in den verschiedenen Religionsgemeinschaften, die durch das Land Hessen geehrt werden sollten.
Wenn Sie Toleranz und Offenheit in diesem Land voranbringen wollen, dann sollte der hessische CDU-Vorsitzende das von Hans-Jürgen Irmer herausgegebene Hetzblatt „Wetzlarkurier" einstellen mit Überschriften wie:
- Verschärfte Überwachung von Moscheen gefordert
- Islamischer Religionsunterricht ist das Einfallstor für die Fundamentalisten
- Für Europa - gegen Eurabien
- Die schleichende Islamisierung Deutschlands und Europas ist in vollem Gange
- Islamisten erheben Weltherrschaftsanspruch
Keine Ausgabe des Wetzlar Kuriers ohne Hetze über den Islam und Muslime. Und es handelt sich hierbei wohlgemerkt um die lokale Parteizeitung für den Lahn-Dill-Kreis, die in die Haushalte verteilt wird.
Sie schüren ganz bewusst Ängste und Vorurteile. Da helfen die schönsten Ehrungen und Preise nichts, da helfen nur Taten.
Ihr Eintreten für den interreligiösen Dialog bleibt unglaubwürdig, solange Sie einen Abgeordneten wie Hans-Jürgen Irmer in den Reihen, ja sogar in der ersten Reihe, der CDU-Fraktion dulden.
In diesem Fall ist es zu spät: Der Streit um den Kulturpreis ist hochgradig peinlich und zeigt wie man keinen Dialog führt.









