Interview mit Marjana Schott
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K+S: Trinkwasserressourcen zerstörende Laugenversenkung sofort stoppen - Abfallentsorgung und Energiewende gewinnbringend koppeln
Dienstag, 22. November 2011
Es gibt Alternativen zur trinkwassergefährdenden Versenkung von Salzlaugen aus der Kaliproduktion von K+S. Dazu erklärt Marjana Schott, umweltpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Hessischen Landtag:
„Die Versenkung von Salzlauge, wie sie von K+S vorgenommen wird, gefährdet Grund- und Trinkwasservorkommen.
Die von K +S beantragte Versenkung von 43 Mio. m3 Salzlauge über weitere 10 Jahre muss verhindert werden. Das Vorhaben verstößt gegen die Wassergesetzgebung und darf vom Regierungspräsidium Kassel und dem Umweltministerium als Aufsichtsbehörde nicht genehmigt werden. Es ist unerklärlich, warum sich die Landesregierung über fachliche Bedenken hinwegsetzen und die weitere Versalzung des Trinkwassers in Kauf nehmen will."
Dr. Walter Hölzel, Chemiker und Vorsitzender der Werra-Weser-Anrainerkonferenz e.V., betont: „Versalztes Grundwasser ist für alle Zeiten als Trinkwasser verloren. Für die Region steht nicht mehr oder weniger als ihre zukünftige Wasserversorgung auf dem Spiel. Hier gibt es keine gesetzlichen Spielräume.
Diese Situation haben K+S und die Landesregierungen von Hessen und Thüringen zu verantworten. Stets sind sie K+S unkritisch und leichtgläubig in der Argumentation gefolgt, dass die Laugenversenkung, die Einleitung von Abwässern in Werra und Weser und die Aufschüttung fester Abfälle zu riesigen Halden alternativlos seien."
Nun sei es endlich an der Zeit, so Hölzel, dass K+S zur Einhaltung der Umweltgesetzgebung gezwungen werde.
„Die Versenkung ist nicht „alternativlos" – Laugenentsorgung und Energiewende können gewinnbringend für Umwelt, Arbeitsplätze und K+S verbunden werden. Wir schlagen vor, das Abwasser der K+S Kali GmbH mit der Abwärme eines im Kreis Hersfeld-Rotenburg von DONG Energy geplanten Gas- und Dampfturbinenkraftwerkes einzudampfen. Das von dem in Dänemark ansässigen Unternehmen DONG Energy projektierte Kraftwerk ist mit 1100 MW allerdings zu groß. Es würde ausreichen, um den Strombedarf von ganz Nordhessen zu decken. Das gefährdet den Einsatz von Erneuerbaren Energien und ist in Ermangelung eines Konzeptes zur Wärmeverwertung so nicht genehmigungsfähig.
Wir empfehlen, die Leistung des Kraftwerks an dem Wärmebedarf zur Eindampfung der Abwässer von K+S auszurichten. Dadurch kann das Kraftwerk auch bei relativ hohen Gaspreisen wirtschaftlich betrieben und flexibel zur Stromerzeugung eingesetzt werden.
Für die jetzige Abwassermenge würde eine Wärmemenge von 5,0 TWh/a und eine Kraftwerksleistung von 570 MW (thermisch) ausreichen. Da die anfallenden Salzabwässer bis zum Jahre 2015 von K+S auf ca. 7 Mio. m3 reduziert werden sollen, würde auch eine Wärmemenge von 3,2 TWh/a bzw. eine Kraftwerksleistung von 365 MW (thermisch) ausreichen, um die gesamten Salzabwässer einzudampfen. Darüber hinaus können die in der Lauge enthaltenen Wertstoffe Magnesium, Calcium und Kalium gewonnen werden."
Ein solches Konzept habe unmittelbar Auswirkungen auf das Planfeststellungsverfahren für die Pipeline Neuhof nach Philippsthal. Diese müsse dann selbstverständlich zum Standort des Gas- und Dampfkraftwerks führen, so Walter Hölzel.
Vorteile der Laugeneindampfung mit Wärme aus einem Gas- und Dampfkraftwerk
· Stopp der unkontrollierbaren Verpressung von trinkwassergefährdenden Laugen in den Untergrund.
· Die für die Entsorgung benötigte Prozesswärme macht das Gas- und Dampfkraftwerk wirtschaftlich lukrativ.
· Zum Abfangen der Verbrauchsspitzen und Netzschwankungen in einem Stromversorgungssystem mit Erneuerbaren Energien kann die Stromerzeugung ohne hohe Zusatzkosten flexibel reguliert werden.
· Verdopplung der Rohstoffausbeute durch den Versatz der festen Reststoffe aus Halden und Eindampfung unter Tage zur Sicherung der Gruben. Ein Großteil der Stützpfeiler im aktuellen Kammer-Pfeiler-Abbau könnte als Rohstoff verwendet werden.
· Sicherung von Arbeitsplätzen in der Kaliindustrie über den von K+S prognostizierten Zeitraum hinaus.
· Keine gefährlichen Haldenabwässer mehr.
· Einhaltung der EU-Wasserrahmenrichtline: Durch die Eindampfung entfallen auch die Salzeinleitungen in Werra und Weser. Diese können sich wieder zu Gewässern mit einem „guten ökologischen Zustand" entwickeln.
· Eine ökologisch zweifelhafte, teure und nur schwer genehmigungsfähige Pipeline in die Nordsee ist überflüssig.
· Das bei der Eindampfung entstehende destillierte Wasser kann von K+S anstelle von Brunnenwasser in der Produktion eingesetzt werden.









