Interview mit Marjana Schott

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Beberbeck ist ökonomisch wie ökologisch eihne Katastrophe

Donnerstag, 09. September 2010

Rede von Marjana Schott zum Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN betreffend eine Aktuelle Stunde "Henners Albtraum endlich beenden: Kein Wolkenkuckucksresort Beberbeck" am 9. September 2010

 

Herr Präsident, sehr geehrte Damen und Herren,

seit September 2004 hören wir über Beberbeck geradezu wilde Geschichten. Es fing mit einer Freizeitanlage mit 1.000 Betten an und einer Investition von 200 Millionen Euro.

Bis zum Dezember 2005 stieg der Betrag auf 405 Millionen. Unter anderem waren planerisch 400 Villen und Ferienwohnungen hinzugekommen. In 2007 kommen wir schließlich bei 7.100 Betten an.

Aus der anfänglichen Begeisterung, die weite Teile der Bevölkerung durchaus hatten, erwuchsen Kritik und Widerstand, die örtlich vertretenen Umweltverbände schlossen sich zum Aktionsbündnis Beberbeck zusammen, verlangten angesichts des Umfangs und der Tragweite des Projekts belastbare Gutachten, die nicht kamen.

Wir haben im Laufe der Jahre über Seenlandschaften, Poloplätze, Ferien­wohnungen, Golfplätze gehört, die geplant wurden und dann wieder nicht oder vielleicht doch gebaut werden sollten.

Das alles könnte man ja noch mit einem Schmunzeln begleiten, wenn es nur darum ginge, dass jemand Ideen hat, über die er oder sie mal öffentlich reden wollte.

Leider ist es hier ganz anders.

Der Bürgermeister hat mit seiner CDU-Mehrheit im Rathaus von Hofgeismar Beschlüsse gefasst und das Land Hessen mit ins Boot geholt. Für die fixe Tourismusidee im Land besser bekannt als Henners Traum sind im hessischen Haushalt 30 Millionen Euro eingestellt.

In Hofgeismar wurde der mittellosen Besitzgesellschaft eine Bürgschaft von insgesamt 3,5 Millionen Euro in den Haushalt eingeräumt, die fast vollständig aufgebraucht ist.

Kommt das Projekt nicht zustande, bleibt die Stadt auf dem Minus sitzen. Da das Ganze in die Besitzgesellschaft ausgelagert wurde, ist es obendrein der demokratischen Kontrolle entzogen.

Geschehen ist in der Zwischenzeit nichts Gutes. Das seit 2003 leer stehende Gebäude wird in seiner Substanz nicht besser und kann keiner sinnvollen Nutzung zugeführt werden. Anstehende Sanierungs- und Baumaßnahmen der Staatsdomäne finden nicht statt und gefährden damit den Betrieb, Arbeitsplätze und Einnahmen.

Die Phantasien des Herrn Sattler sind sowohl ökonomisch als auch ökologisch eine Katastrophe. Es wird Geld ausgegeben, das dringend anders verwendet werden müsste. Und das Geld, das im hessischen Haushalt gebunden ist, wäre ein guter Start in eine vernünftige und dem Denmal- und Naturschutz verbundenen Sanierung und Nutzung von Beberbeck. Es hat von mehreren Seiten gute Vorschläge gegeben, wie die Anlage sinnvoll zu nutzen wäre.

Ökologisch besteht der Wahnsinn darin, dass die 900 Hektar landwirtschaftliche Produktions­fläche der Staatsdomäne Beberbeck zu Europas größtem privat­wirtschaftlichem ‚Freizeit- und Ferienressort Schloss Beberbeck' umgewandelt werden soll.

Das wäre die größte Landschafts­umgestaltung, die Hessen je erlebt hat. Ohne auch nur im Geringsten auf die Auswirkungen für den Wasserhaushalt des Reinhardswaldes einzugehen, wurden zukünftige Seenlandschaften gefeiert.

Dass Menschen gestalterisch in die Natur eingreifen ist nichts Neues, aber dass wir uns anmaßen, Naturlandschaft großflächig vollständig umzugestalten, um sie kommerziellen Interessen anzupassen, ist weder ökologisch noch ökonomisch hinnehmbar. Wenn wir Wassersport wollen, sollten wir dahin gehen, wo es Wasser gibt. Wenn wir Ablaufski wollen, sollte es Berge geben. Es gibt von beiden genug auf der Welt, wir haben nicht das Recht, sie da zu erschaffen wo wir gerade meinen wir hätten dazu jetzt Lust und das nur um zweifelhafte Gewinne zu erzielen.

Es gibt auch in Nordhessen Seen, ja sogar Golfplätze, nur ist das alles nicht luxuriös genug habe ich gehört. Ja, glaubt denn irgendjemand, dass Menschen zum Golfspielen nach Beberbeck reisen, wo wir eine Durchschnittstemperatur von 7,5 Grad Celsius und jährliche Niederschläge von 850mm haben.

Kein einziger Investor hat in den sechs Jahren ernsthaft erwogen sich auf dieses Wahnsinnsprojekt einzulassen.

Gelegentlich haben wir von hoch geheimen Investoren gehört, die sich dann aber in Luft aufgelöst haben. Jetzt sollen auch ohne Investor Fakten, geschaffen werden, die kein vernünftiger Mensch braucht. Die vor Ort geführte Diskussion Baurecht zu schaffen ist das hilflose Bemühen nicht öffentlich zugeben zu müssen 6 Jahre lang teure Luftschlosser gebaut zu haben. Der Region hat diese unsägliche Diskussion nur Schaden gebracht.

Um die Bedingungen des Kaufvertrages zu erfüllen muss eine Regelung mit der Evangelischen Altenhilfe gefunden werden, die in Beberbeck eine Einrichtung betreibt. Hier ist aber bis dato noch nicht einmal ein Gespräch geführt worden.

Ich bin den LINKE-Stadtverordneten sehr dankbar, dass sie sich von Anfang an gegen dieses Projekt ausgesprochen haben und aktuell den Antrag gestellt haben den Closing-Termin nicht zu verlängern. Ich möchte an dieser Stelle auch daran erinnern, dass wir in 2008 beantragt haben den Closing-Termin bereits damals nicht mehr zu verlängern. An dieser Haltung hat sich in der Zwischenzeit nichts geändert.

Vielen Dank.