Interview mit Marjana Schott

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Koch schadet Beschäftigten und Unternehmen

Mittwoch, 04. Juni 2008

Tariftreue und Fachkunde bei der Vergabe öffentlicher Aufträge sichern

Sehr geehrter Herr Präsident, meine Damen und Herren!

Ich kann nicht verstehen, dass man sich immer wieder diesen Unsinn über Leiharbeit anhören muss. Leiharbeit schafft keine Arbeit. Es gibt jede Menge Möglichkeiten und Projekte, Arbeit zu schaffen. Aber schauen wir uns einmal an, was Leiharbeit macht.

Es gibt einen Arbeitgeber, der einen Arbeitnehmer braucht. Statt sich an die Bundesagentur zu wenden oder eine Zeitungsanzeige aufzugeben, über die er diesen Arbeitnehmer finden kann, wendet er sich an eine Leiharbeitsfirma und beschäftigt auf diese Weise jemanden, dem er in der Regel deutlich weniger zahlt als dem Stammpersonal. Was hat daran Arbeit geschaffen?

Ich glaube, ich habe die Menschen vergessen, die bei der Leiharbeitsfirma arbeiten und vermitteln. Aber dafür haben wir meines Wissens die Bundesagentur. Also schaffen wir uns hier irgendwie ein Gremium, das mit anderer Leute Arbeit Geld verdient, die dafür deutlich weniger Geld verdienen als ihre Kollegen, die die gleiche Arbeit machen, und permanent auf dem Schleudersitz sitzen. Damit wird Angst geschürt in der Bevölkerung und bei den Kollegen; denn morgen kann es ihnen genauso gehen. Ich kann nicht erkennen, wo da ein Arbeitsplatz geschaffen wird.

(Jörg-Uwe Hahn (FDP): Aber das ist doch nicht unser Problem, wenn Sie das nicht erkennen können, Frau Kollegin!)

Dann müssen wir uns hier anhören, wenn Arbeitnehmer aus solchen Arbeitsverhältnissen eingestellt werden, dass angeblich die Leiharbeit den Arbeitsplatz geschaffen hat. Was ist das für ein hanebüchener Unsinn? Das ist doch gebogen bis zum Geht-nicht-mehr. Der Arbeitsplatz war da, wir haben nur eine Agentur zwischengeschaltet, nämlich die der Leihfirma. Nichts anderes haben wir getan. Wo ist dort das Schaffen von Arbeitsplätzen?

Wir schaffen nichts anderes als einen Billiglohnsektor, einen Ausbeutungssektor. Die Leute haben Arbeitsbedingungen, die zum Teil menschenunwürdig sind, und das wissen wir in diesem Hause. Das können wir nicht wegreden. Aber das sollen wir loben. Wir sollen loben, dass Menschen freitags nicht wissen, wo sie montags arbeiten werden. Wir sollen loben, dass Menschen nicht wissen, ob sie in der nächsten Woche noch dieselbe Arbeit haben. Wir sollen loben, dass diese Menschen nicht wissen, wie sie an den Arbeitsplatz gelangen sollen, weil es dort einen Wildwuchs gibt, der unbeschreiblich ist und der ihnen Dinge abverlangt, die wir in keinem regulären Arbeitsverhältnis haben würden. Das sollen wir hier ernsthaft loben? Dafür habe ich überhaupt kein Verständnis.

Wir brauchen Leih- und Zeitarbeit möglicherweise in einem ganz geringen Rahmen, aber nicht in dem Ausmaß, das wir zurzeit in diesem Land haben, nicht in diesem Wildwuchs, den wir haben und der sich ständig ausbreitet und nur dazu führt, dass wir reguläre Beschäftigungsverhältnisse verlieren. –

Danke.