Interview mit Marjana Schott

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Quelle: www.vermoegensteuerjetzt.de

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Aktuelle Stunde: Milchstreik – Faire Preise für gesunde Lebensmittel

Donnerstag, 05. Juni 2008

Herr Präsident, meine Damen und Herren!

Es ist erstaunlich, aber es gibt tatsächlich Tagesordnungspunkte, bei denen sich das ganze Haus einig zu sein scheint.

(Florian Rentsch (FDP): Das macht uns nachdenklich!)

– Das könnte uns nachdenklich machen. Wir sollten schauen, ob es mehr Punkte gibt, an denen wir das hinbekommen.
Wenn Bauern ihre Milch vernichten, dann ist das so etwas wie Notwehr. Wenn man anfängt, das moralisch zu bewerten, wird es ganz, ganz schwierig, aber man muss irgendeine Form finden, um zum Ausdruck zu bringen, dass es so nicht weitergehen kann. Wenn verbale Ausdrucksformen nicht helfen, dann müssen manchmal eben andere Ausdruckformen herhalten. Dass das schrecklich ist, ist uns sicherlich allen klar.

Wenn wir uns die Preisentwicklung der letzten Jahre anschauen, wenn wir uns die Einkommensentwicklung der Milch produzierenden Bauern in den letzten Jahren anschauen, dann ist völlig klar, dass es so nicht weitergehen kann.
Heute Morgen ist hier ganz viel von den Verbrauchern gesprochen worden. Wenn wir Solidarität mit den Milch produzierenden Bauern üben wollen, dann müssen wir aber auch die Konsumenten in die Lage versetzen, an der Kasse eine entsprechende Entscheidung treffen zu können. Wenn ein Teil der Bevölkerung nicht mehr in der Lage ist, überhaupt noch vernünftige Lebensmittel zu kaufen, weil die Einkommenssituation so ist, dass das nicht mehr geht, wenn die Menschen gezwungen sind, bei Aldi und bei Lidl einzukaufen, um überhaupt über die Runden zu kommen, und solange es Menschen gibt, die vorrechnen, wie man mit wenig Geld wunderbar über die Runden kommen kann, wenn man ordentlich und sparsam einkauft und haushält, haben wir an der Stelle einen Konflikt. Wir haben nämlich den Konflikt, dass einerseits die Bauern vernünftige Preisen erzielen wollen, aber andererseits viele Menschen in der Situation sind, diese Preise nicht bezahlen zu können.
Das sollten wir bei aller Solidarität mit den Milch erzeugenden Bauern nicht außer Acht lassen. Wir sollten uns klar darüber werden, dass wir auch an anderer Stelle etwas tun müssen, wenn wir haben wollen, dass auch arme Kinder ihre Schulmilch bezahlen können.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen schönen Tag.