Interview mit Hermann Schaus
Die Sicherheits- interessen der Menschen in der Region dürfen nicht länger den Profitinteressen von Fraport, Lufthansa und Co. Untergeordnet werden.
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Schweingrippe – Vorbeugen durch nachhaltige Nutztierhaltung
Montag, 29. Juni 2009
"Die mexikanische Schweinegrippe, ist eine genetische Schimäre, die wahrscheinlich im Kotschlamm einer industriellen Schweinemast erzeugt wurde ..." Mike Davis
Rede von Marjana Schott, gesundheits- und umweltpolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE. im Hessischen Landtag, anlässlich der Aktuellen Stunde des Hessischen Landtages am 18. Juni 2009 zu: Schweinegrippe - gute Information der Bürgerinnen und Bürger ist beste Pandemievorbereitung.
Das gesprochen Wort kann vom Manuskript abweichen.
Frau Präsidentin/Herr Präsident, meine Damen und Herren,
die sachgerechte Information der Bevölkerung über Vorsichtsmaßnahmen, Verhaltenshinweise und Risiken der Schweinegrippe ohne Panik zu schüren, gehört zu den grundlegenden Aufgaben der Landesregierung.
Darüber haben wir jetzt einiges gehört
Was aber fehlt, meine Herren und Damen, ist die, in einem umfassenderen Sinne vorsorgende Strategie zur Verminderung eines Pandemierisikos. Und dazu - das hat die Debatte bis jetzt gezeigt - mangelt es an Einsicht in die Zusammenhänge zwischen einer industriellen Massentierhaltung und der Entstehung der für Menschen gefährlichen Schweinegrippeviren.
Als möglichen Ursprung für die Pandemien von 1957 und 1968 wird von WissenschaftlerInnen auf die Vermengung von Vogel- und Menschenviren in Schweinen hingewiesen. Dies sei die wahrscheinliche Nahtstelle zwischen menschlichen und tierischen Krankheiten.
Virologen sehen in der Industrialisierung der Viehproduktion die Hauptursachen der enormen Beschleunigung der Grippeevolution.
2003 veröffentlichte Bernice Wuethrich in der Zeitschrift Science einen Bericht, in dem sie darlegt, dass
„nach Jahren der Stabilität das nordamerikanische Schweinegrippevirus auf eine evolutionäre Schnellstraße eingebogen ist".
Seit seiner Entdeckung in den 1930er Jahren zeigte das Virus nur geringe Veränderungen. Ab 1998 entstanden fast jährlich neue und hoch ansteckende Varianten.
Die Landwirtschaftsorganisation GRAIN berichtet, dass
„großdimensionierte industrielle Viehzuchtbetriebe in Nordamerika den idealen Nährboden für das Auftreten und die Verbreitung von neuen hochvirulenten Influenza-Typen geschaffen"
haben.
Tausende von Tieren sind auf engsten Raum zusammengepfercht, das ist ein idealer Ort für virulente Krankheitserreger. Das Immunsystem der Tiere ist überfordert bzw. kann sich aufgrund der unangepassten Tierhaltung nicht adäquat ausbilden. Der Ausbreitung von Krankheiten wird versucht mit Medikamenten bis hin zur Gabe von Antibiotika entgegen zu wirken, die sich dann im Tierkot wiederfinden.
Treffend bezeichnet Mike Davis
„die mexikanische Schweinegrippe, [als] eine genetische Schimäre, die wahrscheinlich im Kotschlamm einer industriellen Schweinemast erzeugt wurde ..."
Die industrielle Massentierhaltung vergrößert somit die Nahtstelle zwischen tierischen und menschlichen Krankheiten.
Die Gewinnler einer hochindustrialisierten Tierproduktion tragen somit für die Entstehung des Schweinegrippevirus H1N1 Mitverantwortung.
CDU und FDP haben mit ihrer neoliberalen Wirtschafts- und Globalisierungspolitik über Jahre zur Konzentration der Tierproduktion auf immer weniger und immer größere Betriebe beigetragen. Großbetriebe werden mit Subventionen gestärkt. Kleinere Betriebe, wie aktuell das Beispiel der Milchbauern zeigt, werden in den Ruin getrieben, Entwicklungshilfe so ‚fehlgeleitet', dass die Interessen global agierender Konzerne gewahrt, lokale und regionale Produktionsstrukturen aber im In- und Ausland zerstört werden.
Es sind aber die kleineren Betriebe die am ehesten eine an die naturräumlichen Gegebenheiten angepasste Tierhaltung betreiben können ohne dabei
• Unmengen von Keimen zu verbreiten,
• die Gewässer zu überdüngen,
• Antibiotika, Tiermedizin und Schwermetalle in die Nahrungskette zu bringen und eben
• ohne das Risiko der Bildung neuer Krankheiten zu erhöhen.
Solche Produktionsformen, meine Damen und Herren, brauchen andere Rahmenbedingungen als die großindustrielle Herstellung x-beliebiger Güter in globalisierten Märkten - und das wissen Sie.
Dazu nur ein paar Schlagwörter:
• Stärkung regionaler Vermarktung,
• Vergabe von Agrarsubventionen gebunden an ökologische Leistungen,
• Demokratisierung der Produktionsverhältnisse,
• faire Welthandelsbedingungen,
• Förderung der ökologischen Landwirtschaft im In- und Ausland.
Das, meine Herren und Damen, ist der Teil einer Pandemieprävention über die wir von CDU und FDP noch nichts gehört haben.
Das verwundert nicht, fördert doch die Politik von CDU, FDP und der Hessischen Landesregierung genau „die Katastrophe, die eine industrielle, ökologisch haltlose Tierhaltung bedeutet."
Die jüngste Geschichte hat leider auch gezeigt, dass es ein Irrglaube ist, jenseits der Qualität der öffentlichen Gesundheitsvorsorge, Pandemien durch eine schnelle Reaktion medizinischer Bürokratien auch schnell wieder eindämmen zu können. Das musste die WHO schmerzlich feststellen. Die Stärkung und der Aufbau der Gesundheitsvorsorge im In- und Ausland ist daher unverzichtbar und sicher die bessere Strategie, als auf die Heilsversprechen der großen Pharmakonzerne zu vertrauen. Eine Schweinegrippe-Pandemie ist für die Pharmaindustrie eine makabere win-win-Situation: Mit ihren Medikamenten und Mittelchen ermöglicht sie erst die Massentierhaltung, an deren gefährlichen Nebenwirkungen sie dann mit Tamiflu und Co. wiederum Milliarden verdienen.
Ja, meine Herren und Damen: Eine „gute Information der Bürgerinnen und Bürger ist beste Pandemievorbereitung".
Noch besser ist aber der Entstehung von Pandemien vorzubeugen. Die Rezepte dazu bekommen Sie aber nicht bei Ihrem Arzt oder Apotheker.






