Interview mit Hermann Schaus

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Die Landeregierung muss den Gesetzentwurf zur geplanten VerlĂ€ngerung der Lebensarbeitszeit der hessischen Beamtinnen und Beamten zurĂŒcknehmen
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Bankentagung

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Untersuchungsausschuss Steuerfahnder: Das System Koch muss auf den Tisch

Donnerstag, den 28. Januar 2010

Rede von Willi van Ooyen zur Einsetzung eines Untersuchungsausschusses am 28. Januar 2010

Sehr geehrter Herr PrÀsident, werte Damen und Herren,
 
ein Untersuchungsausschuss ist dann sinnvoll, wenn durch die Untersuchung wirklich etwas aufgedeckt wird und ohne einen solchen Ausschuss die parlamentarische Kontrolle des Regierungs- und BĂŒrokratiehandelns nicht anders wahrgenommen werden kann; deswegen hat die LINKE sich bereits Anfang des Jahres fĂŒr die Einrichtung eines solchen Gremiums ausgesprochen.
 
Wir sind der Meinung, dass die Politik von Schwarz-Gelb – wie zuvor die durch Roland Koch betriebene Politik einem einfachen Prinzip entspricht:
Die Reichen reicher und die Armen Ă€rmer machen. Diesem Prinzip mussten auch die organisationspolitischen Maßnahmen dienen.
 
Der Antrag der Fraktionen von SPD und GrĂŒnen ist aus unserer Sicht zu unterstĂŒtzen, auch wenn er deutlich zu kurz greift, weil er diese Politik nicht zentral angreift.
Aber das ist vermutlich der Tatsache geschuldet, dass sich insbesondere die Fraktion BĂŒndnis 90/DIE GRÜNEN – aber auch die SPD ein TĂŒrchen fĂŒr eine Koalition mit den Regierungsparteien offen halten wollen. Diese sollen wohl nicht zu sehr verĂ€rgert werden. Und darin liegt wohl auch der Grund dafĂŒr, dass eine Beteiligung meiner Fraktion an diesem Antrag nicht in ErwĂ€gung gezogen wurde.
 
Der Antrag greift aus unserer Sicht zu kurz, weil er das System Koch nur oberflĂ€chlich ankratzt und nicht radikal an die Wurzel des Übels gehend auf umfassende KlĂ€rung der VorgĂ€nge in dieser Landesregierung gerichtet ist. Die VorgĂ€nge um die geschassten Steuerfahnder markieren doch nur ein Symptom, einen kleinen Baustein eines Systems, das die hessischen BĂŒrgerinnen und BĂŒrger schĂ€digt und ZĂŒge repressiver Regime aufweist, in denen missliebige und störende Personen sanktioniert und psychiatrisiert werden und die, die mitmachen, belohnt und befördert werden. (Nicht wahr Herr Hoff!)
 
Die Steuerfahnder haben sich getraut, nicht nur den Durchschnittsverdienenden auf die Steuerbescheide zu schauen, sondern sind in die Chefetagen der Frankfurter Großbanken vorgedrungen, die millionenschweren Privatkunden dabei geholfen haben, Geld in Steueroasen zu schleusen. Sie haben sich getraut, gegen den ehemaligen Schatzmeister der CDU zu ermitteln. Zwanzig Millionen Mark, die fĂŒr Parteizwecke genutzt wurden, sind damals in der Liechtensteiner Stiftung Zaunkönig gewaschen worden. Diese Steuerfahnder wurden von den brisanten FĂ€llen abgezogen und durch Versetzung in die „Geisterstation“ Servicestelle Recht kaltgestellt. Als sie immer noch keine Ruhe gaben, mussten sie sich psychiatrisch begutachten lassen und wurden schließlich zwangspensioniert.
Ihrer HartnÀckigkeit und der vierten Gewalt, der Presse, ist es zu verdanken, dass sich bei diesem Symptom jetzt erste kleine Risse im System Koch zeigen.
 
Es gibt noch weitere Symptome, die das System Koch und seine Arroganz der Macht verdeutlichen.
Die jĂŒngst bekannt gewordenen Mobbing-FĂ€lle bei der hessischen Polizei, die VorgĂ€nge um den ehemaligen Direktor der hessischen StaatsbĂ€der und nicht zuletzt der Fall des geschassten ZDF-Chefredakteurs Nikolaus Brender. Sie zeigen:
Das System Koch schafft sich eigene Regeln:
Wer reich genug ist, wird mit Hilfe der Politik geschont. Wer aufmuckt, wird psychiatrisiert oder geschasst. Und wer sich um das System und „Don Roland“ verdient gemacht hat, wer still hĂ€lt, wird fĂŒrstlich belohnt. Das System Koch hĂ€lt die schĂŒtzend Hand ĂŒber die Wolskis, Everts und Wichtels. Und gleich, ob Oberfinanzdirektor, Gesundheitsminister, Finanzminister oder MinisterprĂ€sident – sie haben sich nichts vorzuwerfen, stellen sich selbst einen Persilschein aus und lassen in aller Gelassenheit alles Weitere auf sich zukommen.
 
Das sind keine Nachrichten aus Unrechtsstaaten am Ende der Welt. Das sind hessische VerhÀltnisse. Das System greift sich alle, die ihre bescheidenen Rechte in Anspruch nehmen, sich nicht mundtot machen lassen und nicht klein beigeben. Exempel werden an wenigen statuiert, um DuckmÀuser zu fördern.
 
Das ist ein System, das fĂŒr die Demokratie beunruhigender nicht sein könnte: Ein aufeinander abgestimmtes RĂ€derwerk aus politischen MandatstrĂ€gern, Leitungspersonen aus der hessischen Finanzverwaltung und dem hessischen Finanzministerium sowie von sogenannten LeistungstrĂ€gern aus der Wirtschafts- und Finanzwelt sorgt dafĂŒr, dass die Macht nicht verloren geht.
 
Licht ins Dunkel dieses demokratiefeindlichen Systems, des Systems Koch, zu bringen - das wird in den nĂ€chsten Monaten zu den wichtigsten Aufgaben der Oppositionsparteien gehören. Der Hessische Landtag muss an dieser Stelle beweisen, dass er eine der grundlegenden Funktionen eines demokratisch legitimierten Parlaments noch erfĂŒllen kann – die Kontrolle der Regierung und die (Wieder-) Herstellung von Transparenz!
 


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