
Eine Schule für Alle
Donnerstag, 14. August 2008
Eine Schule für Alle - ohne Benachteiligung und Ausgrenzung
Das hessische Schulsystem bedarf einer grundlegenden Veränderung: Es darf nicht länger benachteiligen!
Die Fraktion DIE LINKE tritt für das Ende der frühen Trennung der SchülerInnen nach der Klassenstufe 4 in Hauptschüler, Realschüler und Gymnasiasten ein. Diese beschneidet die Kinder radikal in ihren Entwicklungsmöglichkeiten, da sie sie frühzeitig auf einen Bildungsweg zwingt, den zu verlassen ihnen später schwer gemacht wird.
Kinder mit hohem Potential aber wenig Unterstützung bleiben so oft hinter ihren Möglichkeiten zurück. Kinder aus bildungsnahem Elternhaus werden dagegen durch die Struktur des Schulsystems bevorzugt und erreichen so eher höhere Abschlüsse.
Wir setzen uns für ein gemeinsames, soziales und kooperatives Lernen aller SchülerInnen in einer Gemeinschaftsschule bis mindestens zur 10. Klasse ein. Unser Ziel ist weiterhin eine Pädagogik, die auf Noten als Selektionsinstrumente verzichtet. Schulen für Lernhilfe sind aufzulösen, der Gemeinsame Unterricht ist auszuweiten.
Die Gestaltung des Lern- und Lebensraums Schule erfordert ein Angebot, welches über eine »Verwahranstalt am Nachmittag« oder eine schlichte Über-Mittag-Betreuung hinausgeht. Sie soll Teil einer ganzheitlichen Bildung und Erziehung sein.
Notwendig ist eine Rhythmisierung des ganztägigen Schultages mit Unterrichtsphasen, Entspannung und Spiel, Übungsphasen und kulturellen, kreativen und experimentellen Lernerfahrungen im Klassenverband.
Die Hausaufgaben werden zu echten Schulaufgaben, da sie in der Schule mit pädagogischer Hilfestellung angefertigt werden und kein Kind mehr auf teure Nachhilfeangebote angewiesen ist. Wenn die Kinder aus der Schule kommen, haben sie »frei«.
SchülerInnen, Eltern und PädagogInnen sollen auf die Profilierung und Gestaltung ihrer Schule mehr Einfluss haben. »Schulinspektionen« sind durch einen offenen Dialog mit allen Seiten zu ersetzen.
Selbstständigkeit der Schule (»Schulautonomie«) heißt dabei für die Fraktion DIE LINKE, dass Schulen im Rahmen der staatlichen Verantwortung mehr Freiräume für die Gestaltung, Planung und Durchführung des Unterrichts und Schulalltags erhalten.
Dies setzt jedoch sowohl eine umfassende Demokratisierung der Schulen als auch eine bedarfsgerechte und sichere Finanzierung derselben voraus. Keinesfalls darf es zu einer Benachteiligung von Schulen kommen, die in strukturschwachen Gebieten ein besonderes Angebot vorhalten müssen und weniger Unterstützung aus Elternschaft und Gemeinwesen erhalten können. Die Gesamtverantwortung muss daher weiterhin bei staatlichen Strukturen liegen.
Ein weiteres Anwachsen des Marktes an Privatschulen, der das System der Zwei-Klassen-Bildung zementiert, ist zu verhindern!
Die Verkürzung des gymnasialen Bildungsganges (G8) überfordert viele Kinder und Eltern. Der ausgelöste Stress und die Belastungen reichen weit bis in die Familien hinein. Freizeit findet kaum noch statt.
Die bereits vorhandene soziale Auslese des hessischen Schulsystems ist hierdurch G8 noch verschärft worden: Der erhöhte Leistungsdruck steigert die Bedeutung des Vorwissens, welches die Kinder und Jugendlichen »von zu Hause« mitbringen, immens. Kinder, deren Elternhäuser ihnen bei den Hausaufgaben keine ausreichende Hilfe geben (oder bezahlen) können, sind den an sie gestellten Anforderungen kaum mehr gewachsen.
Auch die so genannte „Wahlfreiheit“ von z. B. Kooperativen Gesamtschulen, sich fortan zwischen G8 und G9, also der 5- und 6-jährigen Mittelstufe, entscheiden zu können, führt zu noch größerer, sozial bedingter Ungleichwertigkeit von Schulabschlüssen und somit Lebenschancen.
Wir, die Fraktion DIE LINKE, haben anlässlich dieser skandalösen Situation ein Gesetz ins Parlament eingebracht, durch das die gemeinsame 6-jährige Mittelstufe wieder hergestellt werden und die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen wieder gegeben sein soll.
Sechs Argumente für ›Eine Schule für Alle‹
- Eine Schule für Alle ist gerechter, da sie unabhängig von der sozialen Herkunft alle gleichermaßen individuell fördert.
- Eine Schule für Alle ist leistungsfähiger, weil sie alle stärker macht.
- Eine Schule für Alle grenzt nicht aus, sondern vermittelt Verständnis und Verständigung, Toleranz und Solidarität.
- Eine Schule für Alle ist kindgerechter, da sie jedem Kind die Chance für eine individuelle Entwicklung gibt.
- Eine Schule für Alle ist zeitgemäßer, denn sie akzeptiert die Kinder als vollwertige Menschen und fördert ganzheitlich.
- Eine Schule für Alle ist demokratischer, da Eltern, Schüler und Beschäftigte mehr Mitspracherechte erhalten
Veranstaltungshinweis:Diskussion:
"Grundschule stärken - wann, wenn nicht jetzt"am 15.09.2008 um 15:00Uhr im DGB-Haus Frankfurt
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