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Rede


Gabi Faulhaber

FDP-Antrag: Arbeitsmarktsituation von Lehrkräften in Hessen verbessern

Rede von Gabi Faulhaber am 29. Juni 2017 im Hessischen Landtag

 

 

– Es gilt das gesprochene Wort –

 

Frau Präsidentin, meine Damen und Herren!

Herr Wagner, Herr Schwarz,

Sie tun so, als sei es kein Problem, wenn sich Lehrerinnen und Lehrer von einem Zeitvertrag zum nächsten hangeln müssen, und alle Fraktionen im Hessischen Landtag wollen nicht, dass es im Sommer zu einer Arbeitslosigkeit von Lehrerinnen und Lehrern kommt. Ich frage mich: Warum steigt die Arbeitslosigkeit unter den Lehrerinnen und Lehrern denn dann?

(Beifall bei der LINKEN - Hermann Schaus (DIE LINKE): Genau das ist die Frage!)

Ich kann Ihnen sagen: Für die Schulen und für die betroffenen Lehrerinnen und Lehrer ist das ein Problem. Das schafft nicht nur Unsicherheit an den Schulen, sondern es schafft auch private Unsicherheit.

Wenn Sie hier davon sprechen, es sei nur 1 % der Lehrerinnen und Lehrer betroffen: Was soll das denn heißen? Arbeitslos ist arbeitslos. Da wird es auch nicht besser, dass insgesamt mehr Lehrerinnen und Lehrer eingestellt worden sind. Herr Schwarz, arbeitslose Lehrer als "Dehnungsfuge" zu bezeichnen, zeigt deutlich Ihren "Respekt" vor der wichtigen Arbeit der Lehrerinnen und Lehrer.

(Beifall bei der LINKEN)

Ich möchte sagen, Schwangerschaftsvertretungen kann man auch während der Ferien bezahlen. Es gibt überhaupt keinen Grund dafür, das nicht zu tun.

(Beifall bei der LINKEN)

An dieser Stelle möchte ich nebenbei anmerken, dass das Problem der Sommerarbeitslosigkeit bzw.

der Semesterferienarbeitslosigkeit beim Mittelbau der hessischen Hochschulen noch wesentlich ausgeprägter ist. Doch auch an den allgemeinbildenden Schulen gewinnt es wieder an Relevanz; an der Stelle hat Herr Greilich richtig argumentiert. Das kann man an jeder Statistik sehen. Die Zahl der sommerarbeitslosen Lehrer ist wieder deutlich angestiegen: auf ungefähr 1.100. Dabei ist die Sommerarbeitslosigkeit bundesweit rückläufig. In Hessen steigt sie jedoch. Daher finde ich, dies ist ein Thema, das im Landtag dringend behandelt werden muss.

(Beifall bei der LINKEN - Zuruf von der CDU: Hört, hört!)

Das ist umso kurioser, als Hessen in den letzten Monaten vor allem durch den Lehrermangel an bestimmten Schulformen aufgefallen ist. Wir haben in den letzten Monaten viel über die Attraktivität des Lehrerberufs gesprochen und auch darüber, wie es uns gelingen könnte, junge Lehrkräfte anzuwerben und in Hessen zu halten.

An dieser Stelle muss man ganz klar sagen: Gute Werbung ist es für Hessen nicht, wenn es zu den vier deutschen Bundesländern gehört, in denen Lehrerarbeitslosigkeit während der Sommerferien ein deutlich erkennbares Phänomen ist. Eine gute Werbung ist es besonders deshalb nicht, weil schon vor Jahren der bereits mehrfach erwähnte Erlass hätte greifen sollen. Die Zahl der arbeitslosen Lehrer dürfte eigentlich gar nicht ansteigen.

Wie kann es sein, dass wir einerseits händeringend Lehrerinnen und Lehrer suchen und gleichzeitig vermelden müssen, dass in den Sommerferien mehr als 1.000 Lehrkräfte ohne Vertrag sind? Da stimmt doch etwas nicht. Das können Sie hier auch nicht schönreden.

(Beifall bei der LINKEN)

Die Erklärung, das habe auch mit der Beschulung geflüchteter Kinder zu tun, entbehrt der Logik.

Wenn diese Beschulung an den Schulen gut funktioniert, gibt es eigentlich keinen Grund, die Lehrkräfte nicht weiterzubeschäftigen. Selbst wenn die Kinder und Jugendlichen schließlich Deutsch gelernt haben, brauchen Sie weiterhin Unterricht und Unterstützung, und zu einer guten Integration gehören nun einmal engagierte Lehrkräfte in ausreichender Zahl.

Die vielen Überlastungsanzeigen aus den letzten Monaten haben doch gezeigt, dass unsere Lehrkräfte sind an ihren Grenzen angelangt sind und dass sie Unterstützung sowie eine Reduzierung ihrer Pflichtaufgaben brauchen. Wie geht das jetzt am besten? Es geht dadurch, dass die Arbeit auf mehrere Schultern verteilt wird. Meine Damen und Herren, für mehr Aufgaben werden mehr Lehrkräfte benötigt.

(Beifall bei der LINKEN)

Das betrifft nicht nur die Integration geflüchteter Kinder, sondern auch all die zusätzlichen Aufgaben, die Sie jetzt im Schulprogramm festgelegt haben: der Ausbau der Ganztagsangebote, die Inklusion, die Arbeitszeitverdichtung durch Dokumentationen und Elterngespräche und vieles mehr.

Für eine Umverteilung der Aufgaben braucht man ein teamfähiges Kollegium, das vor allem mit ausreichenden personellen Ressourcen ausgestattet ist. Lehrerinnen und Lehrer mit kurzfristigen Verträgen auszustatten ist nicht nur für diese selbst, sondern auch für den Teamgeist im Kollegium und für die Qualitätsentwicklung katastrophal.

Qualität, inhaltliche Arbeit und Schulkonzepte brauchen Zeit zur Entwicklung, und sie brauchen stabile Arbeitsbeziehungen. Das ist es doch, was Sie immer wieder sagen: Sie wollen eine Qualitätsentwicklung an den Schulen. Aber dafür müssen Sie auch die Bedingungen schaffen.

(Beifall bei der LINKEN)

Daher unterstützen wir diesen Antrag der FDP. Wir fordern die Landesregierung auf, die Praxis der befristeten Verträge an den hessischen Schulen abzuschaffen, zumindest aber bei befristeten Verträgen die Bezahlung in den Sommerferien fortzusetzen, damit sich Lehrerinnen und Lehrer nicht jedes Jahr für mehrere Wochen arbeitslos melden müssen. - Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der LINKEN)