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Rede


Torsten Felstehausen

Flächenstilllegungen im Wald sind ökologisch und ökonomisch sinnvoll – alle Holzwege führen zur FDP

der Antrag ist in Gänze ärgerlich, versucht doch die FDP in populistischer Manier zu kurz gegriffene Wirtschaftsinteressen gegen Natur- und Umweltschutz auszuspielen.

Kommen wir gleich zur Sache:

  1. In Wirtschaftwäldern – auch wenn sie nachhaltig genutzt werden – werden die Bäume bereits zur Hälfte ihrer Lebenserwartung gefällt. Die zweite Lebenshälfte, mit der für sie typischen Habitate, Pflanzen-, Kryptogamen- und Tierarten fehlen. Alte Waldbestände beherbergen nicht unbedingt mehr Arten als jüngere – aber andere. Und diese werden wir verlieren, wenn wir nicht bereit sind Waldbestände in ausreichender Größe alt werden zu lassen.Das nicht jeder Waldbestand eine hohe Biodiversität aufweist aber die Summe vieler unterschiedlicher Waldbestände – alte, junge, Hanglagen, in den Mittelgebirgen, in Auen usw. – eine hohe Biodiversität hat, scheint für FDP nicht verständlich zu sein.
  2. In alten Waldbeständen verrottet Holz. Das ist sicher und das ist auch einer der Gründe, warum dort auf alten Baumleichen Arten zu finden sind, die in jungen Beständen fehlen. Aber geschätzte Abgeordnete der FDP: Es verrottet nie mehr Holz als dort auch gewachsen ist. Es wird demzufolge dort auch nie mehr CO2 freigesetzt, als Pflanzen zuvor gebunden haben. Im Unterschied zur Hessischen Landesverwaltung, sind unsere Wälder per se klimaneutral. Das ist ein Teil des Kohlenstoffkreislaufs und den sollten auch die Abgeordneten der FDP spätestens in der Mittelstufe gelernt haben.Da stellt sich die Frage, was sich die Experten der FDP dabei gedacht haben, als sie in ihrem Punkt vier formuliert haben das „Wald zukünftig zum CO2-Emittent wird“ und die Ziele des Klimaschutzes konterkariert“. Das ist eine glatte fünf in Bio. Ich empfehle Ihnen dringen bei Fridays for Future Nachhilfe zu nehmen.
  3. Bereits 1989 forderte die Bundesforschungsanstalt für Naturschutz und Landschaftsökologie fünf bis 10 Prozent der Wälder aus der Nutzung zu nehmen.
  • Seit 1993 ist die UN-Biodiversitätskonvention in Kraft.
  • 2007 wurde die fünf-Prozent-Forderung als Maßnahme in die Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt aufgenommen. Bis 2020 soll das fünf-Prozent-Ziel in allen Bundesländern erreicht sein.
  • 2011 beschlossen 27 Staats- und Regierungschefs der EU eine Strategie zur „Eindämmung des Verlustes der biologischen Vielfalt und zur Verbesserung des Zustands der europäischen Arten, Lebensräume, Ökosysteme und Ökosystemleistungen“. Wenn ich mich recht erinnere hatten wir damals ein schwarz-gelben Koalition auf Bundesebene.
  • Seit den 1970er wird Forschung zum Erhalt der biologischen Vielfalt betrieben und immer wieder untermauern die Forscherinnen und Forscher, dass es zum Erhalt der Vielfalt extrem wichtig ist, einen Teil der Wälder nicht direkt zu nutzen.

Und für alle, die das Problem bis dato noch ignoriert oder nicht verstanden haben, gab es Anfang diesen Monats den Weltbiodiversitätsbericht, mit der erschütternden Aussage, das wir, wie beim Klimawandel auch beim Verlust der Artenvielfalt am Rand einer Katastrophe stehen – und, das der Klimawandel den Artenverlust auch noch beschleunigt

Aber das ficht ja eine FDP nicht an. In Ignoranz al dieser Arbeiten betreiben sie nach AfD-Manier Fake Science und setzen sich zudem über demokratisch gefasste Beschlüsse hinweg.

Hoffnungslos ist auch das zu kurz gegriffene ökonomische Verständnis der FDP. Neben ethischen Gründen - und zur Erfüllung internationaler, europäischer und nationaler Vorgaben - ergibt sich die Notwendigkeit für den Erhalt der Biologischen Vielfalt auch aus rein ökonomischen Gründen. Es ist kostengünstiger, die Vielfalt zu erhalten, als zu versuchen, sie und ihre ökologischen Leistungen die wir nutzen, später wiederherzustellen. In viel Fällen würde dies auch auf technische und energetische Grenzen stoßen.

Es geht nicht darum 10 Prozent des Hessischen Waldes aus der Nutzung zu nehmen, sondern 5 Prozent. Da aber nicht davon auszugehen ist, dass private Waldbesitzer und Besitzerinnen ihren Wald zu Gunsten von Natur-, Arten- und Umweltschutz nicht mehr bewirtschaften, hat das Land Hessen sich dazu entschieden diese 5 Prozent der gesamten Waldfläche, auf der Bürgerwaldfläche abzubilden. Weil das eine echte Gemeinschaftsaufgabe ist, halten auch wir dieses Vorgehen für sinnvoll. Leider haben wir dieses Ziel noch immer nicht erreicht. Zeit bleibt bis nächstes Jahr.

Wichtig ist, dass bereits aktuell alte Bestände aus der Nutzung genommen werden, weil wir für den Artenschutz keine 200 Jahre mehr Zeit haben. Wichtig ist, dass dies nicht nur auf Flächen mit schlechtem Ertrag geschieht – wie das HessenForst gerne möchte und wichtig ist, dass diese Flächen möglichst groß sind. Zudem müssen die Flächen auch unter Schutz gestellt werden, so dass auch die FDP – bei einer zu verhindernden Regierungsbeteiligung – ein Problem haben würd, die Entscheidung einfach rückgängig zu machen.

Wir unterstützen ausdrücklich das Konzept der 25 Waldschutzgebiete, wie es von Greenpeace, BUND, HGON, NABU WWF und der Zoologischen Gesellschaft Frankfurt erarbeitet wurde. Wir hoffen, dass alle Mitglieder dieser Verbände bei ihren zukünftigen Wahlentscheidungen die FDP ausnehmen.

Das rhetorische Ei mit dem „Holzweg“ hat sich die FDP wirklich selbst gelegt. Wer so wenig Ahnung hat, grundlegende naturwissenschaftliche Modelle – wie den Kohlenstoffkreislauf – nicht verstanden hat, wissenschaftliche Ergebnisse verkürzt und aus dem Zusammenhang reißt, in seinem Antrag Sorten mit Arten verwechselt und dann auch noch ein so verkürztes ökonomisches Verständnis an den Tag legt, der sollte lieber schweigen. Weil er so viel Falsches enthält, fordern wir die FDP auf ihren Antrag zurück zu ziehen.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.