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Rede


Gabi Faulhaber

Rede zum FDP-Antrag: Gesetz zur Verbesserung der Unterrichtsqualität durch verstärkte Lehrerfortbildung und Verringerung des Unterrichtsausfalls

Rede von Gabi Faulhaber 24. November 2016 im Hessischen Landtag


– Es gilt das gesprochene Wort

Herr Präsident, meine Damen und Herren!

Die Weiterbildung von Lehrerinnen und Lehrern in Hessen ist ein Thema, dessen sich der Landtag unbedingt annehmen muss, aber auf keinen Fall auf diese Weise.

(Beifall bei der LINKEN)

Sie haben es schon vermutet, Herr Greilich: Ich werfe Ihnen eine Diskreditierung der Lehrerinnen und Lehrer vor, denn mit diesem Gesetzentwurf wird unterstellt, unsere Lehrkräfte würden sich durch die Teilnahme an Fort- und Weiterbildungen vor ihrer Unterrichtsverpflichtung drücken. Das ist eigentlich schon ziemlich dreist.

(Beifall bei der LINKEN)

In der Umfrage, die Sie zitiert haben, haben die Lehrer auf die Frage „Wollen Lehrerinnen und Lehrer fünf Stunden Fortbildung?“ mit Ja geantwortet. Das zeigt eigentlich ihr Engagement. Natürlich wollen Lehrerinnen und Lehrer Fortbildungen. Sie haben aber den zweiten Teil der Frage weggelassen, nämlich ob sie diese Fortbildung in ihrer unterrichtsfreien Zeit oder in ihren Ferien haben möchten. Das haben Sie nicht beantwortet – dazu haben Sie sicher nicht die Zustimmung bekommen.

(Zuruf der Abg. Nicola Beer (FDP))

Die Belastungen an den Schulen sind in den letzten Jahren drastisch gestiegen. Sie wissen sicher, dass immer mehr Verwaltungsarbeit dorthin abgeschoben worden ist und dass Pädagoginnen und Pädagogen jetzt Wirtschaftserwägungen in den Vordergrund ihrer Arbeit stellen müssen. Sie sollen Schulprogramme entwickeln und Rankings durchführen, Statistiken erarbeiten und gesellschaftlich erzeugte Probleme ausgleichen. Es finden immer neue Herausforderungen Einzug in den Schulalltag, und die Lehrerinnen und Lehrer sollen das einfach mal so nebenbei mit erledigen.

Da müssen Sie sich gesagt sein lassen: Unsere Lehrkräfte drücken sich nicht vor dem Unterricht, ganz im Gegenteil. Es ist so, dass jährlich 40 € für Fortbildung zur Verfügung stehen. Viele Lehrerinnen und Lehrer nutzen aber trotzdem weitaus mehr Angebote, und übrigens nicht nur Seminare. Sie lesen auch Fachliteratur, und zwar in den Abendstunden und in ihrer unterrichtsfreien Zeit. Eigentlich ist es ziemlich bedenklich, dass man Ihnen das hier noch einmal sagen muss, werte FDP.

Lehrerinnen und Lehrer unterrichten nicht nur, sie bereiten ihren Unterricht auch vor und nach, führen Schüler- und Elterngespräche, haben Klassen- und Schulkonferenzen, konzipieren Schulprogramme, Schulpraktika, Klassenfahrten, Fördermaterial. Sie bereiten Arbeiten vor, korrigieren sie und alles Mögliche mehr. Sie sind weitaus mehr als der Mensch, der vorn an der Tafel Rechenaufgaben anschreibt.

(Beifall bei der LINKEN)

Weil es zu wenige Sozialarbeiter gibt, sind sie auch noch Sozialarbeiter und oft Schulpsychologe, Entertainer, Seelsorger und was nicht noch alles. Doch vor allem sind sie keine Drückeberger, die man kontrollieren und gängeln müsste. Ohnehin finden sehr viele Fortbildungen außerhalb des Unterrichts statt, und wenn nicht, dann hat das Gründe – sie sind hier schon genannt worden. Viele Fortbildungen können nicht innerhalb der Unterrichtszeit stattfinden, weil sie mehr Zeit brauchen. Man sollte es ja nicht denken, aber auch Lehrerinnen und Lehrer haben Familien und Kinder, die versorgt werden müssen. Darüber hinaus gibt es Ganztagsangebote und Ganztagsschulen.

Viertens soll es ja tatsächlich vorkommen, dass Lehrerinnen und Lehrer Urlaub haben und dann auch einmal wegfahren. Sie haben nämlich ebenfalls 30 Tage Urlaub im Jahr. Ich verstehe gar nicht, warum ausgerechnet die FDP, die bis 2013 jahrelang für den Kultusbereich zuständig war, nun Unterrichtsausfall beklagt. Haben Sie nicht immer versichert, es gebe in Hessen eine super Lehrerversorgung?

(Angela Dorn (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Ja!)

Dann dürfte es doch problemlos klappen, für Lehrkräfte in Fortbildung aus dieser Lehrerversorgung Vertretungen zu organisieren, oder nicht?

(Beifall bei der LINKEN – Janine Wissler (DIE LINKE): Sehr gut!)

Meine Damen und Herren, die Anhörungen haben auch gezeigt, dass beinahe alle Expertinnen und Experten wenig bis gar kein Verständnis für diesen Gesetzentwurf hatten. Wir schließen uns dieser Verständnislosigkeit mit einem gehörigen Quantum Ärger an. Wenn wir schon über die Fortbildung von Lehrkräften sprechen, dann möchte ich, dass wir uns darüber unterhalten, wie das Budget bedarfsgerecht erhöht werden kann und wie Lehrkräfte entlastet werden können. Denn diese Lehrkräfte, werte FDP, leisten in Hessen trotz der schlechten Bildungspolitik der letzten Jahre herausragende Arbeit. Das gilt auch und insbesondere für die Grundschullehrkräfte, die nicht nur eine besondere pädagogische Aufgabe meistern, sondern zudem auch noch schlechter bezahlt werden als ihre Kolleginnen und Kollegen in anderen Schulformen.

Zuletzt: Ich möchte die Weiterbildungsdebatte gerne weiterführen, allerdings mit anderen Vorzeichen und vor allem mit Kriterien, die den Lehrkräften das Leben erleichtern und nicht erschweren. – Vielen Dank.

(Beifall bei der LINKEN – Zuruf von der CDU)