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Rede


Gabi Faulhaber

Rede zum Lehrermangel 2

Rede von Gabi Faulhaber am 22. Februar 2017 im Hessischen Landtag

– Es gilt das gesprochene Wort –


Herr Präsident,
meine Damen und Herren!

Das Thema Lehrermangel ist kein neues Thema.
Und wir können der SPD hier nur zustimmen, dass die Regierungsparteien CDU und Grüne immer noch versäumen, das Problem angemessen zur Kenntnis zu nehmen und dringend notwendige Maßnahmen einzuleiten.

So eine dringend notwendige Maßnahme ist aus unserer Sicht jedoch nicht, dass man pensionierte Lehrkräfte zurück an die Schulen holt.

Das will ich lieber gleich am Anfang betonen!
Sowas ist eher ein Eingeständnis, dass diese dringend notwendigen Maßnahmen von Seiten des Kultusministeriums in den letzten Jahren unterlassen worden sind. 

DIE LINKE fordert seit Jahren mehr Lehrkräfte.
Besonders für den Ganztagsschulausbau, für die Inklusion, für kleinere Klassen und für eine gute Vorbereitung auf die Arbeitswelt.

Jetzt zeigt sich, dass vor allem Grund- und Förderschullehrkräfte fehlen.
Um das rechtzeitig festzustellen, muss man eigentlich kein Prophet sein!
Wenn man inklusiven Unterricht und Ganztagsangebote ausbauen will – und das sind ja die Schwerpunkte der hessischen Schulpolitik -
geht das eben nicht – wie vom Kultusministerium immer behauptet – ohne zusätzliche finanzielle Mittel.
Es geht auch nicht ohne zusätzliches Personal.

Eigentlich ist es ganz logisch:
mehr Geld und Personal für mehr Zusatzaufgaben!

Aber das Kultusministerium handelte aus bildungpolitischer Sicht unlogisch.

Statt ein flächendeckendes Konzept für die verbindliche Umsetzung von Inklusion zu schaffen, wurden unterchiedlich ausgestattete Modellregionen vereinbart.

Statt die Ressourcen für echte Ganztagsschulen zur Verfügung zu stellen, wurde die Mogelpackung „Pakt für den Nachmittag“ erfunden.

Immer in der Hoffnung, möglichst wenig Geld locker machen zu müssen. Denn das ist die Logik, nach der das Kultusministerium handelt!

Das gilt auch für die Lehrerausbildung.
Warum? Weil nicht ernsthaft versucht wird, den Lehrerberuf – insbesondere den des Grundschullehrers oder der Grundschullehrerin – wieder attraktiv zu machen. Das zeigt sich dann natürlich an den zu geringen Studierendenzahlen.
Hier haben wir schon öfter darauf hingewiesen, dass Grundschullehrkräfte besser bezahlt werden müssen und dass der Beruf wieder aufgewertet gehört.

Es geht um die Rahmenbedingungen, die das Kultusministerium schaffen muss. Und hier kann nur vorausschauend agiert werden! Denn die nötigen Fachkräfte kann man sich nicht kurzfristig aus dem Ärmel schütteln, das zeigt sich ja jetzt.

Die Schulen selbst verdeutlichen immer wieder, dass nicht nur Lehrkräfte fehlen: In Zukunft werden multiprofessionelle Teams nötig sein, um die Aufgaben zu bewältigen. Das war ja auch ein Ergebnis der interessanten Anhörungen der Enquetekommission.

Es fehlen also auch Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Fachkräfte für Deutsch als Zweitsprache, therapeutisch geschulte Kräfte und auch Schulpsychologen.

Und diese Aufgaben kann man nicht den Lehrkräften zusätzlich aufbrummen. Genau das macht den Lehrerberuf eben auch unattraktiv, wenn man mit unrealistischen Anforderungen überfrachtet wird.

Es wollen dann einfach nicht genügend junge Menschen z.B. Grundschullehramt studieren, da nützt auch die Ausweitung der Kapazitäten nichts. Und genau hier liegt das Problem, das für die Zukunft angepackt werden muss. Mit Abwarten und Stagnation ist hier nichts zu machen.

Ebensowenig können die Überlastungen der Lehrkräfte nicht weiterhin ignoriert werden!
Als oberster Dienstherr sollten Sie – Herr Kultusminister – genau auf die Hilferufe aus den Schulen achten, anstatt sie zu übergehen!

In dieser Situation, in der Sie sich händeringend um die Rückkehr von pensionierten Lehrerinnen und Lehrern in den Schuldienst bemühen, stellen Sie sich für die Not der eigenen Leute taub. Und wundern sich dann noch, dass es an Nachwuchs mangelt.
Auch das erscheint doch ziemlich unlogisch!

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass wir dem Antrag der SPD-Fraktion zustimmen werden.
Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!



 

 

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Herr Präsident,

meine Damen und Herren!

Das Thema Lehrermangel ist kein neues Thema.

Und wir können der SPD hier nur zustimmen, dass die Regierungsparteien CDU und Grüne immer noch versäumen, das Problem angemessen zur Kenntnis zu nehmen und dringend notwendige Maßnahmen einzuleiten.

So eine dringend notwendige Maßnahme ist aus unserer Sicht jedoch nicht, dass man pensionierte Lehrkräfte zurück an die Schulen holt.

Das will ich lieber gleich am Anfang betonen!

Sowas ist eher ein Eingeständnis, dass diese dringend notwendigen Maßnahmen von Seiten des Kultusministeriums in den letzten Jahren unterlassen worden sind.

DIE LINKE fordert seit Jahren mehr Lehrkräfte.

Besonders für den Ganztagsschulausbau, für die Inklusion, für kleinere Klassen und für eine gute Vorbereitung auf die Arbeitswelt.

Jetzt zeigt sich, dass vor allem Grund- und Förderschullehrkräfte fehlen.

Um das rechtzeitig festzustellen, muss man eigentlich kein Prophet sein!

Wenn man inklusiven Unterricht und Ganztagsangebote ausbauen will – und das sind ja die Schwerpunkte der hessischen Schulpolitik -

geht das eben nicht – wie vom Kultusministerium immer behauptet – ohne zusätzliche finanzielle Mittel.

Es geht auch nicht ohne zusätzliches Personal.

Eigentlich ist es ganz logisch:

mehr Geld und Personal für mehr Zusatzaufgaben!

Aber das Kultusministerium handelte aus bildungpolitischer Sicht unlogisch.

Statt ein flächendeckendes Konzept für die verbindliche Umsetzung von Inklusion zu schaffen, wurden unterchiedlich ausgestattete Modellregionen vereinbart.

Statt die Ressourcen für echte Ganztagsschulen zur Verfügung zu stellen, wurde die Mogelpackung „Pakt für den Nachmittag“ erfunden.

Immer in der Hoffnung, möglichst wenig Geld locker machen zu müssen. Denn das ist die Logik, nach der das Kultusministerium handelt!

Das gilt auch für die Lehrerausbildung.

Warum? Weil nicht ernsthaft versucht wird, den Lehrerberuf – insbesondere den des Grundschullehrers oder der Grundschullehrerin – wieder attraktiv zu machen. Das zeigt sich dann natürlich an den zu geringen Studierendenzahlen.

Hier haben wir schon öfter darauf hingewiesen, dass Grundschullehrkräfte besser bezahlt werden müssen und dass der Beruf wieder aufgewertet gehört.

Es geht um die Rahmenbedingungen, die das Kultusministerium schaffen muss. Und hier kann nur vorausschauend agiert werden! Denn die nötigen Fachkräfte kann man sich nicht kurzfristig aus dem Ärmel schütteln, das zeigt sich ja jetzt.

Die Schulen selbst verdeutlichen immer wieder, dass nicht nur Lehrkräfte fehlen: In Zukunft werden multiprofessionelle Teams nötig sein, um die Aufgaben zu bewältigen. Das war ja auch ein Ergebnis der interessanten Anhörungen der Enquetekommission.

Es fehlen also auch Sozialarbeiter, Sozialpädagogen, Fachkräfte für Deutsch als Zweitsprache, therapeutisch geschulte Kräfte und auch Schulpsychologen.

 

Und diese Aufgaben kann man nicht den Lehrkräften zusätzlich aufbrummen. Genau das macht den Lehrerberuf eben auch unattraktiv, wenn man mit unrealistischen Anforderungen überfrachtet wird.

 

 

 

Es wollen dann einfach nicht genügend junge Menschen z.B. Grundschullehramt studieren, da nützt auch die Ausweitung der Kapazitäten nichts.

Und genau hier liegt das Problem, das für die Zukunft angepackt werden muss.

Mit Abwarten und Stagnation ist hier nichts zu machen.

Ebensowenig können die Überlastungen der Lehrkräfte nicht weiterhin ignoriert werden!

Als oberster Dienstherr sollten Sie – Herr Kultusminister – genau auf die Hilferufe aus den Schulen achten, anstatt sie zu übergehen!

In dieser Situation, in der Sie sich händeringend um die Rückkehr von pensionierten Lehrerinnen und Lehrern in den Schuldienst bemühen, stellen Sie sich für die Not der eigenen Leute taub. Und wundern sich dann noch, dass es an Nachwuchs mangelt.

Auch das erscheint doch ziemlich unlogisch!

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass wir dem Antrag der SPD-Fraktion zustimmen werden.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!