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Rede


Gabi Faulhaber

Rede zum SPD-Antrag: Unterrichtsqualität im Sinkflug – Sicherung von Lehrerfortbildung und Schulevaluation braucht angemessene Ressourcen

Rede von Gabi Faulhaber am 1. Juni 2017 im Hessischen Landtag

 

– Es gilt das gesprochene Wort –

 

Herr Präsident, meine Damen und Herren! Herr Schwarz

vielleicht sollten Sie öfter einmal einen Antrag einbringen. Ihr Antrag hat mir immerhin ein neues Erlebnis verschafft: Sie haben das erste Mal, seit ich im Parlament bin, eine andere Rede gehalten. Ich finde es großartig, dass Sie nicht wieder die immer gleiche Rede gehalten haben.

(Heiterkeit bei der LINKEN)

Ich finde, wir haben jetzt eine gute Gelegenheit, die Debatte von vorhin fortzusetzen. Es ist sehr lobenswert, dass Sie Schulinspektionen in der bisherigen Form abgeschafft haben. Wir haben die Streichung der Schulinspektionen in den vergangenen Jahren mit unseren Haushaltsanträgen immer wieder gefordert, weil sie viel Geld gekostet und eigentlich nichts gebracht haben.

Nun legt die schwarz-grüne Koalition einen Antrag vor, der die Qualitätsentwicklung der Schulen und die berufliche Qualifikation zum Inhalt hat. Immerhin müssen Sie unter Ziffer 1 aber zugeben, dass immer neue Aufgaben und Herausforderungen an die Lehrkräfte herangetragen werden. Da erinnere ich natürlich an die vielen Überlastungsanzeigen und Brandbriefe aus den letzten Monaten, in denen genau das Thema war. Die Anzeigen und Briefe sind von Ihrem Kultusminister allesamt ignoriert worden.

Soll Ihr Antrag jetzt eine Reaktion hierauf sein? Wenn ja, dann muss ich sagen: Dies ist Ihnen nicht gelungen. Die Reaktion ist nicht angemessen.

Vielmehr ist es so, dass das Fortbildungsbudget für Lehrkräfte derart niedrig ist, dass es überhaupt nicht möglich ist, sich so fortzubilden, wie unsere Lehrerinnen und Lehrer es wollen und bräuchten. An dieser Stelle wird dann von „konkreter Nachfrage“ und von „zielgerichteten Angeboten“ gesprochen.

Das klingt erst einmal ganz gut, ist aber bei genauerem Hinsehen wenig konkret. Haben Sie überhaupt genügend Fortbildungsangebote für Lehrkräfte? Sind die Fortbildungsangebote wirklich so aus- gerichtet, dass die Anforderungen erfüllt werden, die Sie im ersten Satz Ihres Antrags formulieren?

Gibt es ausreichend interkulturelle und interreligiöse Fortbildungsangebote? Gibt es genügend Angebote für Erziehungshilfe und für binnendifferenzierten Unterricht? Gibt es eine Fortbildungsoffensive für das große Ziel der Inklusion oder für die Integration geflüchteter Kinder?

Sie wissen: Das gibt es nicht. Sie postulieren das in Ihrem Antrag, aber die konkrete Umsetzung steht aus. Mit Spannung werden wir beobachten, welche Qualitätsstandards Sie entwickeln und welche zielgerichteten Angebote Sie den hessischen Lehrerinnen und Lehrern im nächsten Schuljahr machen werden.

(Beifall bei der LINKEN)

Zur Schulevaluation möchte ich sagen, dass es für die Schulen sicherlich sehr hilfreich sein könnte, wenn sie Beratung anfordern oder externe Experten für die Schulentwicklung heranziehen könnten.

Doch auch hier bleibt abzuwarten, wie diese externen Hilfen in der Praxis aussehen sollen. Das, was bisher an Hilfen zur Verfügung stand, war nämlich nicht besonders berühmt.

Ich sehe das so: Grundsätzlich müssen Schulen in die Lage versetzt werden, ihre Stärken und Schwächen selbst zu identifizieren. Man braucht Zeit und weniger Überlastung, um eigene schulische Programme zu entwickeln und Schwächen aus eigener Kraft anzugehen. Wenn vom Land eine behutsame Unterstützung dazukäme, wäre das natürlich sehr begrüßenswert.

(Beifall bei der LINKEN)

An dieser Stelle möchte ich sagen: Wir unterstützen den Antrag der SPD auf einen Bildungsbericht.

Der Kultusminister würde sozusagen seine eigene Arbeit evaluieren. Das wäre eine gute Grundlage für die systematische Entwicklung des hessischen Schulsystems.

(Beifall bei der LINKEN und bei Abgeordneten der SPD) Meine Damen und Herren, bei der Qualifizierung von Schulleitungen setzen Sie in letzter Zeit eher auf das Führen. Auch in diesem Antrag klingt das wieder an. Sie wollen professionelle Führungskräfte.

Jetzt ist gegen professionelle Ausbildung gar nichts einzuwenden; aber dagegen, dass zunehmend der Gedanke der Führung anstelle des Gedankens einer kollegialen Schulleitung Einzug hält, ist auf jeden Fall etwas einzuwenden.

(Beifall bei der LINKEN)

Das Prinzip „Führen und Folgen“ – so hieß mein Seminar – wird nicht funktionieren. Eine qualitativ hochwertige Schule braucht kollegiale Strukturen, die die Kraft und das Wissen aller Kolleginnen und Kollegen bündeln. Selbst in der freien Wirtschaft gilt das Führungsprinzip heute nicht mehr als unumstritten.

Längst ist es überholt und wurde durch Teampower ersetzt.

Meine Damen und Herren, ich fasse zusammen: Wir begrüßen die Abschaffung der Schulinspektion; der Fortbildungsetat der Schulen muss deutlich erhöht werden; Schulen müssen Unterstützung bei der Entwicklung ihrer eigenen Ziele erhalten; Schulleitungen sollten in Teambildung geschult werden. Da Ihr Antrag aber wieder einmal ein reines Postulat ist und keine konkreten Schritte enthält, werden wir ihn wegen seiner Placebowirkung ablehnen. – Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der LINKEN)