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Rede


Gabi Faulhaber

Rede zur Aufwertung des Berufes der Grundschullehrerinnen und -Lehrer

Rede von Gabi Faulhaber am 15. Dezember 2016 im Hessischen Landtag

– Es gilt das gesprochene Wort –


Herr Präsident,
meine Damen und Herren!

Dass es Probleme an unseren Grundschulen gibt, ist sicher nichts Neues, leider aber nach wie vor aktuell.

Allein in den letzten beiden Wochen ist es zu mehreren Prostestaktionen gekommen:
Zweifach hat die GEW auf die Unterbezahlung der Lehrerinnen und Lehrer an Grundschulen aufmerksam gemacht – und deren Gleichstellung mit Lehrkräften anderer Schulformen gefordert. Aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg haben Sie, Herr Minister, Anfang des Monats einen Brief erhalten, den 56 Grundschulleitungen unterzeichnet haben. Darin werden Sie auf die Überlastungen der Lehrerinnen und Lehrer aufmerksam gemacht.

Unter anderem wird die Inklusion benannt, die in Hessen bestenfalls stagniert, an den Grundschulen durch die Heraufsetzung der Klassengrößen jedoch eine deutliche Verschlechterung erfährt.
Und auch aus Frankfurt meldeten sich letzte Woche Eltern und Lehrkräfte, die den Lehrermangel an ihren Grundschulen beklagen. Nicht nur, dass die erlaubte Klassengröße von 25 Kindern teilweise überschritten wird – es können auch viele Förderangebote gar nicht mehr stattfinden, da es schlicht an Personal fehlt.

Bei all Ihren Selbstbeweihräucherungen scheinen Sie den Blick auf die tatsächlichen Zustände an Hessens Schulen verloren zu haben. Es reicht nicht aus, nur hier und da Löcher zu stopfen – denn besonders im Bereich der Bildung führt ein kurzsichtiger Blick zu Rückschritten.

Es fehlt in Hessen an Grundschullehrerinnen und -lehrern. Diese können auch Sie, Herr Kultusminister, sich nicht aus dem Ärmel schütteln. Das ist mir schon klar. Aber Sie könnten sich wenigstens einmal fragen, woran es liegt, dass sich nicht genügend Menschen für diesen wichtigen und ehemals auch gut angesehenen Beruf interessieren. Und wenn Sie das tun, kommen Sie dem Problem auch ziemlich schnell auf die Schliche: Es ist nämlich hausgemacht!

Sie müssen Sich doch nicht wundern, wenn jemand sich gegen die Grundschule und für beispielsweise das Gymnasium entscheidet, wenn beide Studien etwa gleichlang sind, die Anstellung am Gymnasium aber wesentlich besser vergütet wird als die Anstellung an einer Grundschule. Warum ist denn das so?
Drücken Sie doch damit aus, dass die Arbeit der Grundschullehrkräfte weniger wert ist! Aber das Gegenteil ist der Fall! Sie alle wissen, dass die frühe Förderung der Kinder besonders wichtig ist.
Und Sie selbst sprechen immer wieder davon, wie wichtig individuelle Förderung ist. Aber dann wertschätzen sie die Pädagoginnen und Pädagogen nicht, die genau das leisten. Sie sorgen nicht für kleine Klassen und ausreichend Stellen im Grundschulbereich.

Ich kann mir einen kleinen Seitenhieb an dieser Stelle nicht verkneifen:
Dank ihres ruhmreichen mehrgliedrigen Schulsystems sind Grundschullehrkräfte auch noch gezwungen zu selektieren und am Ende des vierten Schuljahrs Prognosen zur Schullaufbahn auszusprechen. Auch das konterkariert die Förderbemühungen der Grundschullehrkräfte und entwertet ihre Arbeit!

Meine Damen und Herren,
um es auf den Punkt zu bringen:
Wir brauchen mehr Lehrerinnen und Lehrer!
Wir brauchen sie, um die Inklusion endlich auf den Weg zu bringen!
Wir brauchen sie, um geflüchteten Kindern und Jugendlichen eine schnelle und gute Integration zu ermöglichen! Wir brauchen sie, um echte Ganztagsschulen einzurichten!
Vor allem aber brauchen wir sie, um jedes Kind bestmöglich und individuell zu fördern!

Also: Werten Sie die Arbeit an unseren Grundschulen endlich auf!
Motivieren Sie mehr junge Menschen, sich für den Beruf der Grundschullehrerin / des Grundschullehrers zu entscheiden!

Dazu gehört die gleiche Bezahlung der Lehrkräfte unabhängig von der Schulform, in der sie unterrichten.
Dazu gehören kleinere Lerngruppen.
Und dazu gehört eine Pflichtstundenreduzierung.

Vielen Dank!