140x190 marjana schottMarjana Schott

schied zum Ende der 19.Legislaturperiode aud dem Landtag aus.
Die Fraktion dankt Ihr für Ihren langjährigen parlamentarischen Einsatz.
  
 
  

www.marjana-schott.de
 


Reden

Mehr Personal für mehr Qualität in der Altenpflege

Rede Marjana Schott am 22. November 2017 im Hessischen Landtag

– Es gilt das gesprochene Wort –


Sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich freue mich, diejenigen begrüßen zu können, um die es heute geht. Einige Beschäftigte aus der Altenpflege sitzen heute auf der Tribüne und wollen hören, was die Politik zu ihren Arbeitsbedingungen sagt und welche Alternativen sie anzubieten hat. Eigentlich müsste eine Kollegin oder ein Kollege von Euch hier stehen und über die wichtige und wertvolle, aber auch anstrengende Arbeit zu sprechen. Ich kann es nur stellvertretend versuchen. Ich hoffe aber, dass ich stellvertretend für das ganze Haus den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der Altenhilfe für ihr Engagement, ihren Einsatz und ihre Professionalität danken kann. Dabei meine ich alle, ob Pflegepersonal, die Hauswirtschaft, die Technik, die Leitungen, die Sozialarbeit, alle, die mit Menschen zu tun haben, die Unterstützung im täglichen Leben brauchen, da sie aus gesundheitlichen Gründen ihren Tagesablauf nicht mehr alleine gestalten können. Etwas, das jeden von Ihnen, aber auch mich treffen kann. Darüber möchte man nicht gerne nachdenken. Das verdrängt man gerne. Ganz besonders, wenn man weiß, dass nicht alles in diesem Arbeitsbereich in gutem Zustand ist.

Genau das ist der Grund, dass Verdi für heute zu einem Aktionstag „Gemeinsam stark für mehr Personal in der Altenpflege“ aufgerufen hat, um Gesicht für eine gute Qualität in der Altenpflege zu zeigen.

Es ist wahrlich nichts Neues, dass es in Hessen immer mehr alte und hochaltrige Menschen gibt. Auch wenn viele noch lange fit bleiben dürfen, gibt es doch zunehmenden Bedarf für die Altenpflege und somit auch für mehr Personal. Alles nichts Neues. Nur hat es nicht zu großartigen gesellschaftlichen Anstrengungen geführt. Weder der Ministerpräsident noch der Sozialminister sind durch die Schulen gezogen und haben Jugendliche dazu aufgefordert, eine entsprechende Ausbildung zu machen. Auch die anderen Kabinettsmitglieder haben weder Aktionstage noch Vorlesestunden in Altenheimen angeboten, sie haben sich nicht erkundigt, wie es den Mitarbeiter*innen geht. Schlimmer noch, der Sozialminister ist der Meinung, dass die Fachkräftesicherung primär Aufgabe der Arbeitgeber ist. Mitverantwortung trügen Arbeitsverwaltung und Jobcenter. Das Land Hessen kommt lediglich mit der Finanzierung der Altenpflegeschulen ins Spiel. Dass diese nicht großartig ist, das wissen wir alle. Die Schulen haben gerade jetzt große Bedenken, dass sie im Rahmen der Berufeneuorientierung massiv ins Hintertreffen geraten.

Aber wie sieht es tatsächlich aus in der Pflege?
Ich zitiere aus dem Tagebuch einer engagierten Altenpflegerin.

"Frühdienst. Drei Kollegen/innen mit mir im Frühdienst - für 28 Bewohnerinnen und Bewohner, davon eine examinierte Krankenschwester und eine Altenpfleghelferin. Beide von einer Leihfirma. Dass die beiden stationsfremd sind, ist ja wohl klar. Das heißt: ICH bin für sämtliche Wundversorgungen, Insulingaben, Blutzucker-Werte messen, Tabletten stellen, Tropfe fertig machen und die Einnahme beobachten und was sonst noch anfällt zuständig! 'Na, klasse' hab ich mir gedacht. Wieder so ein Tag, der für mich MENSCHENUNWÜRDIG verlaufen soll. Das heißt, dass alles im Galopp erledigt werden muss und dann auch bloß KEIN FEHLER gemacht werden darf. Unsere Bewohner_innen müssen wieder mal nur vertröstet werden mit: 'Ich komme gleich' und 'Einen Moment bitte', 'Ich muss grad noch etwas anderes machen'.

Die zeitlichen Einstufungen für die Grundpflege, die unsere Bewohner*innen haben, können nicht berücksichtigt werden. Die Zeit haben wir nicht! Muss den beiden aus der Zeitfirma Fragen beantworten, erklären was sie bei welchem Bewohner wie machen müssen und worauf sie unbedingt achten müssen.
Zum Glück ist unsere Stationsküchenfee heute da. Sonst müssten wir auch noch das Frühstück für unsere Bewohner holen - unten in der Hausküche! Und dann noch für jeden einzelnen Bewohner vorbereiten, was auch oft vorkommt, da können dann nur noch zwei pflegen. Und eine raus aus die Pflege, um das Frühstück gewährleisten zu können. Was nach hygienischen Vorrausetzungen eigentlich nicht erlaubt ist wegen der Übertragung von Krankheitserregern.

Weiter geht es. Eine demenzerkrankte Bewohnerin bekommt das Essen angereicht, sie sitzt am Tisch und hat ihren Teller mit dem Frühstücksbrot vor sich stehen, rührt aber es nicht an. Trinken kann sie auch nicht alleine. Jedes Mal, wenn ich in den Speiseraum komme, um einen Bewohner zu bringen, der schnell gepflegt wurde und nun frühstücken kann, versuche ich in aller EILE die dementiell erkrankten Dame dazu zu bringen, mal von ihrem Brot abzubeißen oder schnell ihr ein Schlückchen Kaffee EINZUFLÖSSEN, damit sie wenigstens ein wenig Nahrung in den Bauch bekommt.
Du lieber Himmel, ich muss ja noch ihre Tabletten mörsern. Eigentlich muss ja jede Tablette einzeln gemörsert werden. Mist, keine Zeit. Egal. Ich mache alle zusammen, passiert schon nix. Nur einmal! Ich weiß, das ist verboten. Sogar gefährlich. Trotzdem - sie muss ihren Spiegel haben. Hinsetzen und in Ruhe validierend Kontakt aufnehmen, auf sie eingehen, geht zeitlich nicht.
'Irgendwann' so hab ich einen Gedanken 'bekommen wir INLINER gestellt, damit wir mit dem wenigen Personal nooooch schneller arbeiten können.'

Soweit die Kollegin. Und das war nur der Morgen. So geht die Schicht weiter. Mal Früh-, mal Spät-, mal Nachtschicht. Oft genug ohne ausreichende Pausen zwischendrin, auch die zitierte Altenpflegerin konnte keine machen und musste trotzdem die Dokumentation nach Schichtende erledigen. Da es an Personal mangelt, kommt es oft vor, dass die Mitarbeiter*innen aus ihrer Freizeit in den Betrieb geholt werden. Wenn jemand ausfällt, ist das die einzige Lösung. Andererseits sind viele in Teilzeit beschäftigt, weil die Arbeitgeber sie dann besser in den Schichtplan einbauen können. Bei dem Lohn kann man sich eigentlich keine Teilzeitarbeit leisten, so bleibt vielen nichts anderes übrig als sich einen Nebenjob zu suchen. Mit den Aufgaben in der Familie, Zeit mit Freunden oder Aktivitäten in Vereinen oder Organisationen ist das kaum vereinbar. Hinzu kommen ein ständiges Miterleben von Leid und Tod, verbale Demütigungen oder physische Angriffe dementer Bewohnerinnen oder Bewohner sowie die Sorgen um die spätere Rente. Wenn die Arbeit wenigstens gut bezahlt wäre. Das ist aber überhaupt nicht der Fall. 2013 hat in Hessen eine Altenpflegefachkraft 2.484 Euro im Monat verdient, wenn sie Vollzeit arbeitete. Das sind mehr als 15 Prozent weniger als das Durchschnittsgehalt der hessischen Fachkräfte insgesamt. Da muss der Beruf Berufung sein, wenn man ihn auswählt. Kein Wunder, dass der Nachwuchsmangel so hoch ist. Die Belastung zeigt sich an dem hohen Krankenstand. In der Altenpflege sind besonders lange krankheitsbedingte Fehlzeiten wegen Beschwerden am Muskel-Skelett-Apparat sowie psychischer Erkrankungen zu beobachten.

Welche Aufgaben hat die Politik?
1. Das Arbeitsfeld braucht mehr Aufmerksamkeit.
2. Der Beruf braucht eine Aufwertung. Neben der besseren Bezahlung – eine Maßnahme ist der Pflegemindestlohn – ist die Verbesserung der Arbeitsbedingungen unabdingbar. Mehr Personal ist der Schlüssel für mehr Nachwuchs. Ich weiß, dass sich diese Katze in den Schwanz beißt. Es muss allerdings bessere Betreuungsschlüssel geben, so dass junge und ältere Interessierte das Vertrauen haben, dass sich doch noch mal was zum bessern wendet und sie keinen Beruf ergreifen, der sie in Krankheit und Altersarmut führt. Es braucht einen Personalschlüssel von 1:2, nachts darf niemand alleine im Wohnbereich sein, Als Sofortmaßnahme ist aus ver.di-Sicht in stationären Einrichtungen ein Personalschlüssel von 1:2, von einer Pflegekraft auf zwei Bewohnerinnen bzw. Bewohner, vorzusehen. Zudem müssen nachts mindestens zwei Pflegekräfte im Wohnbereich anwesend sein. Auch in der ambulanten Pflege ist eine adäquate Zwischenlösung nötig. Um kurzfristig Entlastung zu schaffen und die Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs abzusichern, fordert ver.di ein Sofortprogramm für mehr Personal. Dafür sollte der Pflegevorsorgefonds in einen »Pflegepersonalfonds« umgewidmet werden. Mit 1,2 Milliarden Euro können pro Jahr rund 40.000 zusätzliche Stellen bei einer Fachkraftquote von 50 Prozent geschaffen werden.

Greß/Stegmüller (2016) von der Hochschule Fulda haben in einem Gutachten Kriterien für ein tragfähiges Personalbemessungssystem in der stationären Altenpflege formuliert. Unter anderem müsse die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben überprüft und gegebenenfalls sanktioniert werden. Zudem müssten sie bundesweit einheitlich sein und bei den Pflegesatzverhandlungen berücksichtigt werden. ver.di schließt sich diesen Forderungen der Wissenschaftler an.

Laut der Bundesagentur für Arbeit fehlten Ende 2016 bereits 19.000 examinierte Altenpflegefachkräfte. In keinem Bundesland steht rechnerisch eine ausreichende Zahl arbeitsloser Bewerberinnen und Bewerber zur Verfügung, um damit die der Bundesagentur gemeldeten Stellen zu besetzen. Diese Situation könnte sich in den kommenden Jahren noch verschärfen. Laut einer Erhebung des Instituts Arbeit und Technik (IAT 2015) werden in den verschiedenen Wohn- und Versorgungsformen für pflegebedürftige Menschen (von der vollstationären Pflege über Tagespflege, ambulante Pflege, bis hin zu Pflege-Wohngemeinschaften und Hospizarbeit) bis 2030 mindestens 350.000 zusätzliche Kräfte benötigt, darunter rund 130.000 Pflegefachkräfte. Hinzu kommt, dass die Pflegeleistungen mit dem Pflegestärkungsgesetz II seit dem 1. Januar 2017 ausgeweitet wurden – was mehr qualifiziertes Personal erfordert.

Die in den einzelnen Bundesländern gültigen Personalschlüssel bilden die heutige Versorgungssituation nicht ab. Bewohnerinnen und Bewohner sind im Durchschnitt älter, multimorbider, kognitiv eingeschränkter als noch vor einigen Jahren. Die Personalbemessung muss sich daher am individuellen Pflege- und Unterstützungsbedarf jedes Menschen orientieren, wozu auch Teilhabe am gesellschaftlichen Leben gehört.

Ob ambulant oder stationär – auch in der Altenpflege gilt: Gute Pflege gibt es nur mit ausreichendem und qualifiziertem Personal. Doch derzeit besteht in den Bundesländern ein Flickenteppich mit höchst unterschiedlichen Personalschlüsseln. ver.di begrüßt es daher, dass gem. § 113c (neu) SGB XI ein wissenschaftlich fundiertes Verfahren zur einheitlichen Bemessung des Personalbedarfs in Pflegeeinrichtungen nach qualitativen und quantitativen Maßstäben bis 2020 entwickelt und erprobt werden soll. Diesen richtigen und wichtigen Schritt hat ver.di lange gefordert. Allerdings ist die Zeitperspektive viel zu lang. Es ist eine tragfähige Zwischenlösung nötig, die verpflichtend für alle Einrichtungsträger deutlich mehr Personal vorsieht. Denn ohne das notwendige Personal wird der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff nicht zu Verbesserungen führen.

Als Sofortmaßnahme ist aus ver.di-Sicht in stationären Einrichtungen ein Personalschlüssel von 1:2, von einer Pflegekraft auf zwei Bewohnerinnen bzw. Bewohner, vorzusehen. Zudem müssen nachts mindestens zwei Pflegekräfte im Wohnbereich anwesend sein. Auch in der ambulanten Pflege ist eine adäquate Zwischenlösung nötig. Um kurzfristig Entlastung zu schaffen und die Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs abzusichern, fordert ver.di ein Sofortprogramm für mehr Personal. Dafür sollte der Pflegevorsorgefonds in einen »Pflegepersonalfonds« umgewidmet werden. Mit 1,2 Milliarden Euro können pro Jahr rund 40.000 zusätzliche Stellen bei einer Fachkraftquote von 50 Prozent geschaffen werden.

Greß/Stegmüller (2016) von der Hochschule Fulda haben in einem Gutachten Kriterien für ein tragfähiges Personalbemessungssystem in der stationären Altenpflege formuliert. Unter anderem müsse die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben überprüft und gegebenenfalls sanktioniert werden. Zudem müssten sie bundesweit einheitlich sein und bei den Pflegesatzverhandlungen berücksichtigt werden. ver.di schließt sich diesen Forderungen der Wissenschaftler an.

Ausbildung: kostenfrei und vergütet
Die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen. Deshalb gilt es, die Ausbildungen in den Gesundheitsfachberufen attraktiv zu gestalten. Dafür müssen die Ausbildungen an veränderte Anforderungen angepasst und die Bedingungen verbessert werden. Am besten könnten Qualitätsstandards auf Grundlage des Berufsbildungsgesetzes gesichert werden. Zumindest aber sollte ein bundesweit einheitlicher Rechtsrahmen geschaffen werden, der die Vielzahl unterschiedlicher Regelungen vereinheitlicht. Dabei muss für alle Gesundheitsfachberufe ein gesetzlicher Anspruch auf eine angemessene Ausbildungsvergütung bestehen. Während das in den Pflegeberufen und anderen Ausbildungsberufen längst selbstverständlich ist, werden beispielsweise Medizinisch-Technische Assistent/innen und Physiotherapeut/innen – trotz hoher Praxisanteile – in der Ausbildung nicht bezahlt. Die Ausbildungen im Gesundheitswesen müssen durchlässig und für die Auszubildenden kostenfrei sein. Vor dem Hintergrund des Fachkräftebedarfs ist es absurd, dass in der Altenpflege und in einigen anderen Gesundheitsfachberufen teilweise Schulgeld gezahlt werden muss. Um die Ausbildungsqualität zu sichern, muss der Anspruch auf eine angemessene Praxisanleitung gesetzlich verankert bzw. gestärkt werden. Ein entsprechender Anspruch ist derzeit jeweils nur im Krankenpflege-, Altenpflege- und Notfallsanitätergesetz verankert. Wichtig für eine gute Ausbildung ist daher eine Verankerung der Praxisanleitung in allen Berufszulassungsgesetzen. Geplante und strukturierte Praxisanleitung muss mindestens zehn Prozent der praktischen Ausbildungszeit ausmachen. Wichtig ist auch, dass die Mehrkosten der Praxisanleitung grundsätzlich refinanziert werden, wie das derzeit insbesondere für die Ausbildungen nach dem Krankenpflegegesetz der Fall ist.

In der Debatte über eine Reform der Pflegeausbildung plädiert ver.di für eine integrierte Ausbildung: Die Ausbildungen in der Kranken-, Kinderkranken- und Altenpflege sollten näher zusammengeführt werden, die jeweiligen Spezialisierungen aber erhalten bleiben. Unabhängig davon kann die Attraktivität der Altenpflegeausbildung sofort gesteigert werden, indem endlich in allen Bundesländern Schulgeld abgeschafft und Umlageverfahren eingeführt werden. Zudem muss die Umschulung zur Altenpflegerin und zum Altenpfleger vollständig finanziert werden. Das kann vielen Menschen, die bereits Berufs- und Lebenserfahrung gesammelt haben, eine Perspektive in einem gesellschaftlich wichtigen Beruf eröffnen und dem steigenden Fachkräftebedarf Rechnung tragen. Ein Beleg dafür ist die deutliche Zunahme von Umschulungen in der Altenpflege im Rahmen der befristeten Förderung des dritten Umschulungsjahres. Bund, Länder und die Bundesagentur für Arbeit müssen dafür sorgen, dass eine verbindliche Regelung zur vollständigen Finanzierung der Ausbildungskosten bei Umschulungsmaßnahmen über 2017 hinaus getroffen wird. Angesichts des Fachkräftebedarfs darf es bei der Anzahl der Umschulungen nicht zu einem Einbruch kommen.

Gute Bezahlung
ver.di tritt dafür ein, dass in Vollzeit beschäftigte Pflegefachkräfte mindestens 3.000 Euro brutto im Monat verdienen. Beschäftigte in der Altenpflege lagen 2013 mit durchschnittlich 2.441 Euro deutlich darunter (IAB 2015). In Sachsen-Anhalt verdienten qualifizierte Altenpflegekräfte laut IAB lediglich 1.743 Euro brutto. Zum Vergleich: Der Durchschnitt aller Branchen lag 2013 bundesweit bei 3.462 Euro. Die schlechte Bezahlung in der Altenpflege – die Vergütung liegt hier laut WSI-Lohnspiegel um 21 Prozent unter der Krankenpflege – schadet nicht nur der Attraktivität des Berufs. Sie führt auch dazu, dass die Mehrheit der Altenpflegekräfte der Gefahr von Altersarmut ausgesetzt ist.

Wo nach Tarif bezahlt wird, verdienen Beschäftigte etwa ein Viertel mehr als ihre Kolleginnen und Kollegen in tariflosen Einrichtungen (WSI-Lohnspiegel). Doch insbesondere in privaten Pflegeeinrichtungen sind Tarifverträge die Ausnahme. Diese werden von den meisten Arbeitgebern entschieden abgelehnt. Daher müssen Tarifverträge in einzelnen Einrichtungen in langen Konflikten durchgesetzt werden. Das ist unwürdig, schadet dem Image der Branche und des Berufes und entspricht nicht den Gepflogenheiten eines Sozialstaats. Sozialversicherungsbeiträge dürfen nicht länger dazu dienen, prekäre Arbeit zu finanzieren. ver.di erwartet, dass politische Rahmenbedingungen geschaffen werden, die tariftreue Einrichtungen belohnen. Der Vorrang für Einrichtungen gem. § 11 Abs. 2 SGB XI, die ohne Tarifvertrag sind, muss ausgeschlossen werden. Mit Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetz I zum 1. Januar 2015 gilt: Wer seine Beschäftigten in ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen nach Tarifvertrag oder kirchenarbeitsrechtlichen Vereinbarungen entlohnt, bekommt die Gehälter von den Kostenträgern in der Pflegevergütung refinanziert. Tariflöhne müssen bei Vergütungsverhandlungen berücksichtigt werden und dürfen nicht als „unwirtschaftlich“ abgelehnt werden. Wenn der Arbeitgeber nicht tarifgebunden ist, werden Löhne seit Inkrafttreten des Pflegestärkungsgesetzes III zum 1. Januar 2017 bis zur Höhe von Tariflöhnen refinanziert. Somit gibt es keinen Grund mehr, den Beschäftigten eine tarifliche Bezahlung vorzuenthalten.

Ziel von ver.di ist es, allgemeinverbindliche Tarifverträge in der Altenpflege durchzusetzen. Dadurch würden auch nicht-tarifgebundene Anbieter zu besseren Arbeitsbedingungen und anständigen Vergütungen verpflichtet. Leider scheitert das bisher an den kirchlichen Trägern Caritas und Diakonie, die vehement an ihrem kirchlichen Sonderrecht, dem sogenannten Dritten Weg, festhalten und bis auf wenige Ausnahmen nicht bereit sind, mit ver.di Tarifverträge abzuschließen. Die Politik ist gefragt, die Blockademöglichkeiten der Arbeitgeber im Tarifausschuss zu beseitigen; Die Hürden für Anträge auf Allgemeinverbindlichkeit von Tarifverträgen müssen gesenkt werden.

Eine untere Haltelinie bei der Bezahlung bildet der Pflegemindestlohn. Aktuell haben sich Arbeitgeber und Gewerkschaftsvertreter/innen in der Pflegemindestlohn-Kommission auf neue Lohnuntergrenzen für Pflegehilfstätigkeiten verständigt. Die Einigung sieht vor, dass der Pflegemindestlohn in den elf westlichen Bundesländern einschließlich Berlin zum 1. Januar 2018 auf 10,55 Euro, zum 1. Januar 2019 auf 11,05 Euro sowie zum 1. Januar 2020 auf 11,35 Euro steigt. In den östlichen Bundesländern wird der Pflegemindestlohn zu den gleichen Zeitpunkten auf 9,50 Euro, 10,05 Euro, 10,55 Euro und 10,85 Euro pro Stunde angehoben. Die Vereinbarung gilt bis zum 30. April 2020.Das Ergebnis ist vertretbar, ver.di bedauert aber, dass es nicht gelungen ist, die Arbeitgeberseite von Mindestlöhnen für Pflegefachkräfte, der Einführung von 30 Tagen Urlaub im Jahr und einer Gleichstellung der Pflegebeschäftigten in den ostdeutschen Bundesländern zu überzeugen.

also das dringend die gesellschaftliche Anerkennung des Berufsbildes erhöht werden muss
• das Wertschätzung sich auch , aber nicht nur über die finanzielle Ausgestaltung wiederspiegelt
dass sich die Politik nicht dafür einsetzten darf, den großen Ketten und Betreibern von Altenheimen, wie zB. Korian, Alloheim und wie sie alle heißen den Markt zu öffnen um auf Kosten der Beschäftigten ihre Rendite einzufahren ( Stichwort Hedgefonds siehe auch Korian Gruppe
• bit.ly/2AmlphA

• dass die Altenpflege in kommunale Strukturen eingegliedert wird, sprich analog der soziale Verantwortung gegenüber der Bürgerinnen und Bürger
• dass Politik sich der sozialen Verantwortung bewusst werden muss für alle Beschäftigten in der Altenpflege, sprich alle Bereiche von Küche über Hauswirtschaft und Pflege und die zu betreuenden Personen
• das es dringend geboten ist aufgrund der demographischen Entwicklung das Thema als ein ständiges Thema zu bearbeiten und regelmäßiger Reflexion bedarf
• das jeder sich selbst mal fragen sollte, ob er unter diesen Bedingungen mit ruhigem Gewissen alt werden kann und im schlimmsten Fall auch noch gepflegt werden möchte
• Altenpfleger unterscheiden sich in Ihrem Berufsbild und Ethos stark zur Krankenpflege, warum weil Altenpflege nicht mit Genesung, Gesundheit und Wachstum arbeitet, sondern mit der Gestaltung des letzten Abschnitts des Lebens, dem Lebensabend der (oft) mit Traurigkeit, Schmerz und Vergehen einhergeht, von daher ist der moralische und ethische Anspruch der Pflegekräfte ein anderer und die Selbstsorge erstmal hinten angestellt, sodass es so ungemein schwierig ist die Altenpflege zu mobilisieren um für die Anerkennung ihres Status zu einzusetzen und kämpfen. Das macht die Öffentlichkeitsarbeit einfach schwierig, ohne selbst ins Jammern zu geraten.

Arbeitszeiten: Überstunden, Arbeit während der gesetzlich vorgeschriebenen Pausen und Einspringen aus dem Frei, nachts alleine im Wohnbereich für 50 Personen zuständig sein Druck auf Beschäftigte, Abmahnungen, Angst vor den Vorgesetzten, geheime Vorbereitung der Betriebsratswahl, hohe Verantwortlichkeit der Mitarbeiter*innen, die nicht streiken wollen und sich nicht auseinander setzen.
Für eine menschenwürdige Altenpflege: heute & morgen!

Die Mehrzahl derjenigen, die sich dafür entscheiden AltenpflegerIn zu werden, tut dies ganz bewusst. Sie will alten Menschen helfen. Jene Menschen, die unser Land nach dem Krieg wieder aufgebaut und zu dem gemacht haben, was es heute ist - eines der reichsten Länder der Erde! - dabei zu unterstützen, ihren Lebensabend in Würde und Eigenverantwortung zu gestalten.

Nach einer mehrjährigen Ausbildung kommen viele jedoch in Arbeitssituationen, die zu oft geprägt sind von überbordender Bürokratie (nichts gegen eine gute Pflegedokumentation!), Personalmangel und Überbelastung. Das, wofür sie gelernt haben und was für sie den Beruf ausmacht, können die wenigsten umsetzen - menschliche Zuwendung. Unter diesen Bedingungen ist es für die AltenpflegerInnen schwierig und oft unmöglich eine menschenwürdige Altenpflege umzusetzen. Viele verlassen schon nach wenigen Jahren mit großer Enttäuschung ihren Beruf. Bei denjenigen, die bleiben, kommt es oft zum burn-out.

Die meisten Menschen können sich nicht vorstellen, unter welchen Bedingungen häufig in der Altenpflege gearbeitet wird.

Die AltenpflegerInnen arbeiten im 3-Schichtdienst. Wegen der meist dünnen Personaldecke und den krankheitsbedingten Ausfällen von KollegInnen wissen sie oft nicht, ob und wann sie am nächsten Wochenende arbeiten müssen.

Hier finden Sie den Bericht eines DBVA-Mitgliedes Deutscher Berufsverband für Altenpflege e.V., der Ihnen einen Blick in den Arbeitsalltag in einem kirchlich geleiteten Altenheim gewährt. Sicherlich gibt es Einrichtungen/Altenheime/Pflegeheime, in denen die Arbeitsbedingungen besser sind, aber lesen Sie selbst > Arbeitsbedingungen in der Altenpflege

Die meisten Menschen können sich nicht vorstellen unter welchen Bedingungen häufig in der Altenpflege gearbeitet wird.
Die AltenpflegerInnen arbeiten im Drei-Schich-Dienst. Wegen der meist dünnen Personaldecke und den krankheitsbedingten Ausfällen von KollegInnen wissen sie oft nicht ob und wann sie am nächsten Wochenende arbeiten müssen.

Würden Sie so arbeiten wollen?
Der folgende Bericht einer sehr engagierten Altenpflegerin zeigt einen Blick in den Arbeitsalltag in einem kirchlich geleiteten Altenheim. Sicherlich gibt es Einrichtungen/Altenheime/Pflegeheime, in denen die Arbeitsbedingungen besser sind.

Ich möchte hier nun mal einige Arbeitssituationen aus dem Haus, in dem ich Beschäftigt bin schildern.

"Frühdienst

Frühdienst: drei Kollegen_innen mit mir im Frühdienst. Für 28 Bewohner_innen
Davon eine examinierte Krankenschwester und ein Altenpfleghelferin. Beide von einer Leihfirma. Das die beiden Stationsfremd sind.. ist ja wohl klar.

DAs heißt, ICH bin für sämtliche Wundversorgungen, Insulingaben, BZ-Werte(Blutzucker-Werte) messen, Tabletten stellen, Tropfe fertig machen und die einnahme beobachten und was sonst noch anfällt zuständig! Na, klasse, hab ich mir gedacht. Wieder so ein Tag, der für mich... MENSCHENUNWÜRDIG verlaufen soll. DAs heisst, dass alles im Gallopp erledigt werden muss und dann auch bloss KEINE FEHLER gemacht werden.
Unsere Bew. wieder mal nur vertröstet werden... mit... Ich komm gleich und einen moment bitte ich muss grad noch etwas anderes machen.
Grundpflege nach den Zeitlichen Einstufungen.. die unsere Bew. haben, können nicht berücksichtigt werden... die Zeit haben wir nicht! Muss den beiden aus der Zeitfirma fragen beantworten, erklären was sie bei welchem Bew. wie machen müssen und worauf sie unbedingt achten müssen.
Zum Glück ist unsere Stationsküchenfee heute da. Sonst müssten wir auch noch das Frühstück für unsere Bew. holen...unten in der Hausküche! Und dann noch für jeden einzelnen Bew. vorbereiten.. was auch oft vorkommt, da müssen dann nur noch 2 Pflegen. Und eine raus aus die Pflege um das Frühstück gewährleisten zu können. Was nach Hygienischen Vorrausetzungen eigentlich nicht erlaubt ist... wegen der kontamition(Übertragung von Krankheitserregern).. Pflege und dann Nahrungsmittel.
Weiter geht´s.. eine Demenzerkrankte Bew. bekommt das Essen angereicht... sie sitzt am Tisch hat ihren Teller mit dem Frühstücksbrot vor sich stehen... rührt aber nicht´s an. Trinken..macht sie auch nicht alleine. Jedesmal wenn ich in den Speisraum komme um eine/n Bew. der schnell gepflegt wurde und nun Frühstücken kann , bringe... versuche ich in EILE der dementiell Erkrankten Dame dazu zu bringen mal von ihrem Brot abzubeissen... oder schnell ein Schlückchen Kaffee EINZUFLÖSSEN (anzureichen) damit sie wenigstens ein wenig Nahrung in den Bauch bekommt.
Du lieber Himmel.. ich muss ja noch ihre Tabletten mörsern. Eigentlich muss ja jede Tablette einzeln gemörsert werden... mist.. keine Zeit.. egal.. ich mache alle zusammen, passiert schon nix. Nur einmal! Ich weiss das ist verboten.. sogar Gefährlich.. trotzdem.. sie muss ihren Spiegel haben. Hinsetzen und in Ruhe.. vallidierend (spezielle Kontaktaufnehme-Technik für Demenzkranke)kontaktaufnehmen ... auf sie eingehen.. geht Zeitlich nicht.
Irgendwann... so hab ich einen Gedanken... bekommen wir INLINER gestellt, damit wir mit dem wenigen Personal nooooch schneller Arbeiten können.
11:15 Uhr... Gott sei Dank sind wir jetzt mit Pflege und den anderen Aufgaben durch.. ich bin völlig fertig... weiter geht es.. die Pflegeräume müssen desinfiziert werden!
11:30 Uhr. Na , klasse jetzt ab an die Dokumentationen... die erste runde abzeichnen.. Lagerungen und die Ernährungs, sowie die Billanzierungsbögen(zeigen ob genug gegessen und getrunken und wieder ausgeschieden wurde).
11:50 Uhr..... super... was ist mit der gesetzlich vorgeschriebenen PAUSE?? War mal wieder nix. 10 min. sind da nun für und das war´s. Eine kleine Tasse Kaffee, dann wieder weiter... tja mit dem Kaffee wird das wohl nicht´s.. denn eine Bew. schellt, möchte einen Toilettengang machen. Hin.. alles stehen und liegen lassen. Dann schellt auch schon eine andere Bew. sie möchte umgelagert werden... das Lagerungskissen ist zu hart. Die Füsse wurden nicht eingecremt... und wieder wünsche ich mir Rollschuhe.. um allen gerecht werden zu können.
MITTAGESSENSZEIT.Und wieder, Tabletten stellen, Tropfen nach Ärztl. Anordnung stellen , schnell noch den angeordneten BZ Wert ermi9tteln um dann in die ärztl. Anordnungsliste zu schauen.. wieviel Insulin muss ich ihr jetzt spritzen.... dann aufziehen , spritzen und jetzt schnell die Medi´s (Medikamente) verteilen.
Einige Bew. die sehr spät gefrühstückt haben verweigern das Mittagessen, mit der Begründung... ich bin jetzt nicht Hungrig.! Nach dem Essen geht es nun Rückwärts.. das heisst.. alle Bew. versorgen, Lagern und dann alle zum Mittagsschlaf ins Bett legen.
Mein Dienst geht bis 13 Uhr. Prima... es ist ja schon 12:30 Uhr! Noch nicht alle Bew. versorgt und auch noch nicht alle im Bett. Lagern müssen wir auch wieder. Da sind welche die müssen alle 2 Std. gedreht werden!
12:50 Uhr... suuuuuper, jetzt sind alle im AKKORD versorgt, liegen in ihren Betten.. hab ich etwas vergessen? Hab ich alles gemacht? An alles gedacht? Ist egal jetzt... hab ja eigendlich jetzt Feierabend , muss aber noch diese dämlichen Dokumentationsmappen machen, alle verabreichten Medikamente abzeichnen...grrrrrrr.....ICH hab gleich FEIERABEND.!!
Gleich ist gut, es ist schon 12:55 Uhr. Bin noch nicht fertig , kann mal wieder länger machen. Die Überzeiten muss mit die WBL (XXXXXX) aber aufschreiben. Soll ich die Dokumentationen liegen lassen?
Morgen ist ja wieder ein Arbeitstag.. ich kann ja dann....neeee, dann gibt es wieder ärger...blah,blah,blah.. auch die Dokumentationsmappen MÜSSEN fertig gemacht werden... das ich WICHTIG! Da frag ich mich doch... was ist wichtiger.. Papier.. das willig ist.. oder meine Bew. für die ICH die Verantwortung habe.. in Gesundheit und Ernährung?
Wir sind doch eh mit einem BEIN im GEFÄNGNIS.. diese Verantwortung die wir so schon haben. Mit der derzeitigen Personalsituation stehen wir schon mit 3 Beinen im Gefängnis.
Die versetzten Dienstzeiten.. sorgen schon dafür..das alle gemachten beobachteten Gesundheitlichen Mitteilungen nicht weiter gegeben werden... wenn ich um 10:30 Uhr nach Hause gehen darf.. muss, weil das eine Dienstzeit ist.. nur um Personal einzusparen... ich dann ÖFTER im Monat arbeiten kommen muss. Um auf meine Arbeitsstd zu kommen... und dann meine Übergabe zwischen Tür und Angel mache, weil die Kollegen da noch in der Pflege sind. Fakt ist... es geht unter..
Info an den Arzt. Resultat.. Z.B.. ein Penis ödem, Ich trage im Berichteblatt ein..am, 01.10.11 die Bew. hat einen sehr trüben Urin.. bitte Urinprobe zum Hausarzt schicken. Auch mündlich den Kollegen gesagt. Um 10:30 Uhr... als ich Feierabend hatte.
Das Ende vom Lied... am 20.11.11 klagt die Bew. über Rückenschmerzen... ich nachgeschaut in ihrer Mappe.. ob Urin zur Kontrolle abgegeben wurde.... such und such... nix. Nicht im Ärzteblatt eingetragen.. auch nicht´s im Berichteblatt! Mein Hals schwillt an... ich habe sofort alles vorbereitet um am nächsten morgen eine Urinprobe zum Dok. (Doktor) zu senden. Urintöpfchen mit Namen drauf, den auf einen Zettel im Schwesternzi. (Schwesternzimmer) gestellt.. wiiiieder allen die da waren Bescheid gegeben.
Mensch... wenn die Dame einen trüben Urin hat und keiner vor lauter Stress an die Urinuntersuchung gedacht hat.. sie jetzt über Rückenschmerzen klagt... kann der Befall schon.. in die Nieren aufsteigen.
Das grenzt ja schon an KÖRPERVERLETZUNG! Ich mach das nicht mehr mit.. es reicht.. diese grosse Verantwortung.. nur weil KEIN PERSONAL da ist.. übernehme ich nicht mehr. Ich werd jetzt eine Überlastungsanzeige fertig machen und die dem PDL (Pflegedienstleitung), der HL (Heimleitung)und der MAV (Mitarbeitervertreter)geben.
ICh habe mit MENSCHEN ZU TUN. Nicht mit irgendeinem Seelenlosen Gegenstand.... es tut mir in der Seele weh wenn ich sehe wie der §1 geschändet wird.

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Spätdienst
Die erste Kollegin fängt um 13:30 Uhr an.
Die zweite kommt um 14:30 Uhr.
Die erste Kollegin hat 15 min Übergabezeit. Danach muss sie alle Tabletten der Bew. auf die Tagestabletts stellen... manchmal dauert die Übergabe auch länger, je nachdem was so alles im Frühdienst angefallen ist und nicht geschafft wurde, muss dann aufgearbeitet werden.
Z.B. anruf beim HA ( HAusarzt) ständig in der Warteschleife... kein durchkommen. Medikamentenänderung vom KH abklähren! Termin zur Herzschrittmacherkontrolle... ist sogar schon passiert das eine Bew. vergessen wurde... die erst im 2. Jahr zur Kontrolle kam, weil... diese ständig neuen Blätter , dieser dämliche Bürokratische Schreibkram... ich reg mich da jedesmal drüber auf...wieder was neues sein MUSS!
Ich verbring mehr Zeit auf Papier herum zu kritzeln , als diese Zeit sinnvoll mit dem Bew. ( Bewohnwer) zu verbringen.Die zweite Kollegin ( ich) komme nun zum Dienst... alle Bew. noch im Bett..rase los um einen nach dem anderen frisch zu versorgen, Toilettengänge mache.. bei denen die das noch können und sie dann nach und nach zum Kaffeetisch zu bringen.
Mittags ist keine Küchenfee da, wir müssen nun den Kaffe und Kuchen und das Abendessen vorbeireiten. Das heisst, mit dem Aufzug runter fahren zur gross Küche , alles auf den Stationswagen drauf, hoch und verteilen, dann wieder in die Zimmer zum anreichen. Dann den Speiseraum aufräumen, dass Geschirr einsammeln..das brauchen wir für´s Abendessen wieder.. das Geschirr in die Spülmaschine und ran an die Dokumentationen.
Die ersten Leistungsnachweise ausfüllen und abzeichnen. Die Spülmaschine ist fertig.. pfeifft laut, damit wir das hören.
Es ist jetzt 15:45 Uhr. Das Geschirr jetzt schnell ausräumen und den Stationswagen fertig machen für´s Abendessen! Erledigt..
jetzt ist es schon 16:10 Uhr.. mist schnell die Bettlägerigen versorgen.. pflegen und Lagern. Ist die arbeit getan, muss ich ab in die anderen Bew. Zi. um die Betten abzudecken,da sehe ich schon wieder eine riesen Sauerrei.. Urinflecken auf dem Stecklaken und das Bettlaken ist auch durch, toll, da soll ich jetzt die Dame od. den Hr. reinlegen zum schlafen?! Das geht garnicht.. also neu beziehen.. ich möchte auch nicht in so einem Bett liegen.. auch wenn ich das mallöhr verursacht habe. Da werd ich aber bei der nächsten Besprechung mal was zu sagen!!! Sooo geht das nicht! Es wird ja immer "asozialer" .

Flott weiter.. eine Bew. sagt zu mir im vorbeirasen.. Schwester?.. Kann ich später kommen? Ich hab grad keine Zeit. Wir haben keine Zeit mehr.. die uns anvertrauten werden zunehmends grantiger, meckern, schellen mehr, zanken sogar unter einander...weil sie alle unseren Stress spühren.
Oder sagen... SCHWESTER.. ich muss mal zum KLOOOO... weil sie wissen dann reagieren wir meist, wir gehen dann zur Toilette und sie müssen nicht wirklich Wasser lassen, sie machen das nur um mal ein wenig Aufmerksamkeit zu bekommen von uns!
Viele wollen uns helfen, indem sie versuchen den Toilettengang ALLEINE zu machen...manche fallen und ziehen sich einen Oberschenkelhalsbruch zu... dann schellen sie doch.. haben Schmerzen, ich komm ins Zimmer...oh mein Gott...tut etwas weh? Meine erste Frage... ja ich hab Schmerzen .. hier oben und zeigt auf den Oberschenkel.... Mist.. denk ich... und frag:,, Warum haben Sie denn nicht geschellt? " Antwort... ,, Ich wollte helfen, ihr habt doch so viel zu tun, dann weint sie.. jetzt hab ich Euch NOCH MEHR ARBEIT gemacht.
Meine Zeit läuft mir weg. Boah.. mist das fehlte mir jetzt auch noch.. ab ins Schwesternzi. Notarzt anrufen, die Bew. muss ins KH.Ich wieder zurück.. versuch zu trösten, die Uhr rennt.. tick, tack unaufhaltsam und gnadenlos. Die Sanitäter kommen und nehmen die Bew. mit.In der zwischenzeit hab ich schnell die Tasche gepackt, mit den utensilien die sie im KH brauch. Vom Nachthemd bis zur Strassenkleidung.Hoffe ich hab nicht´s vergessen, da ich in Gedanken schon wieder woanders bin.
Schon 16:30 Uhr. Zwei Schellen gehen ; Die nächsten Versorungen.. Menschenskind.. ich bin 10 min später dran, renn zu dem ersten Zi. eine adipöse Bew. ,Bettlägerig, aber klar im Kopf...sagt mit weinerliche Stimme zu mir,, Hast Du mich vergessen? " Versuche zu erklähren.. Notfall und so.Doch das interessiert die Dame nicht. Es ist über ihre gewohnte Zeit und sie will jetzt...! Ich sag freundlich.. einen moment bitte,komme sofort wieder, muss nur mal schnell zur anderen Schelle... die muss ich ausmachen, schliesslich wird ja auch noch kontrolliert wie lange die Schellen an bleiben und dann jemand reagiert!
Zum Glück nur die Wasserflasche auf machen. Meine Kollegin macht in der Zeit ihre Pflege in ihrem Bereich,den wir vorher abgesprochen haben. Zurück zur ersten Bew. und versorge sie! Grade raus aus dem Zi. schellt sie schon wieder.. ich langsam genervt... wieder rein und frage.. was ist denn? Sagt sie,, Hab ich geschellt? Ich wollte mir nur das Licht anmachen! Peng. So nun aber rucki,zucki weiter ,muss noch einige Betten abdecken.
Zum Glück hab ich mit einer exam. Kollegin Dienst. Die macht jetzt die Tropfen fertig und die Insulinspritzen. So kann ich noch schnell die restlichen Zi. fertig machen und Unterwäsche sammt Inkontinenzmaterial für den nächsten morgen bereit legen. Geschafft...
jaaaa ICH bin jetzt schon geschafft... hab keine Lust mehr... bekomm immer mehr Magenschmerzen , wenn ich an diesen Stress der nicht´s mehr mit Pflege zu tun hat denke. Ich bin sowas von Frustriert... die Menschenwürde ist weg.
Diese armen alten Menschen.. sind sich selbst überlassen, dabei würden sie gerne mal 2 Worte in Ruhe mit uns sprechen. Oder einfach nur mal so mit uns über das was sie belastet reden.
Besteht der Mensch nur noch aus der äußeren HÜLLE? Wo ist das Wesen, das in der Altenpflege als GANZES gesehen werden soll geblieben??? Der Mensch besteht doch auch Geist, Körper, Seele? Kann das durch diese dämliche Bürokratie sich nur noch auf die Hülle .. das äußere Beschrenken?
Nur der Schein Zählt? Nicht mehr das sein? Wird vergessen das ,dass alles Menschen sind? Nicht irgendeine Materie? Schüttel nur den Kopf über diese negative Entwicklung! Hoffendlich sind bald diese Menschen in einem Altenheim, die uns das alles antun. Damit die am eigenen Leib erfahren wie es in einem AH abläuft. Geld und Personal sparen...tzzzzz!
Jeden Tag wird ja bei uns der Personalschlüssel berechnet. Der sich aus den Pflegestufen der Bew. irgendwie errechnen lassen soll.. ob das alles RICHTIG berechnet wird? Wer weiss das schon, können wir ja nicht kontrollieren. Wir sind diesen Berechnern ausgeliefert.
Nun hole ich das Abendessen wieder unten im Erdgeschoss. Gut die Brote sind zum Teil schon geschmiert, aber ich frage trotzdem jeden einzelnen Bew. was sie gerne essen möchten und sage was ich an Wurstsorten da habe. Meine Kollegin verteilt die Getränke. Milch und Kaffee haben wir auf dem Wagen, aber einige Bew. möchten gerne Kakao haben, so machen wir das ja auch noch zusätzlich fertig... schliesslich ist das ja auch eine Dienstleistung. Nicht nur das.. unseere Untergewichtigen bekommen noch Hochkalorisches ins Getränk.
Die Tabletts fertig machen für unsere Bettlägerigen, dann wenn alle Versorgt sind, frag ich nocheinmal ob jemand noch ein Brot möchte. Wenn alle zufrieden sind geh ich mit meiner Kollegin in die Zi. zum Essenanreichen. Danach wieder in den Speiseraum, wo ein paar Bew. die noch ein wenig selbstständig sind in aufbruchstimmung sind und in ihr Zi. wollen.
Meine Kollegin geht dann schon in die Pflege , damit die, die sehr unruhig geworden sind, weil sie schon ins Bett wollen , schonmal versorgt sind und die anderen noch gemütlich sitzen bleiben können. Ich decke inzwischen die leeren Teller ab ,stapel sie auf dem Wagen. Das Geschirr muss ja für morgen früh wieder sauber sein. Sobald alle Tische aufgeräumt und abgewaschen sind , geh ich auch in die Pflege.
Wir pflegen dann bis 20:20 Uhr und erst dann haben wir Zeit uns an die Dokumentationen zu machen. Zum Glück hab ich mir auf einem Zettel notiert wann und um welche Uhrzeit die eine oder andere Fixierung beendet wurde , sowie der Fixierungsanfang. Und ganz wichtig die Lagerungen, sowie das Sturzprotokoll.
Man, jetzt noch schnell die Angehörigen anrufen und über den Sturz der Mutter informieren. Alles auf das Tagesübergabe Protokoll schreiben. Dann noch die Nachtmedi verteilen. Und dann...endlich nach Hause.
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Nachtdienst
Der Nachtdienst fängt um 20:45 Uhr an und endet um 06:45 Uhr.
Die Verrichtung im Nachtdienst sieht folgendermassen aus! 15 min Übergabe, bis 21 Uhr. Dann alle Tüen des Hauses abschliessen. Haupteingang, Neben ein/ausgänge Kontollieren, ggf auch abschliessen.

Alle Mappen rausholen und nachsehen wann die nächste Lagerung sein muss. Vom ersten OG , erste Etage ,ebenfalls alle Lagerungszeiten aufschreiben und ggf Lagern gehen, bei allen die 2 Std. gelagert werden müssen.
Wir haben Bew. die müssen 2 Stdl. 3 Stdl. und 4 Stdl. gelagert werden. Anschliessend die 3-4 Bew. die später schlafen gehen, dann wenn die ins Bett wollen , schellen, versorgen, ggf Fixierungszeit notieren und ins Lagerungsblatt übertragen, sowie Kompressionsstrümpfe ausziehen und Nachtmedikamente ( um 22 Uhr) verteilen!
Es wird Stationsübergreifend gearbeitet, weil die Station im Erdgeschoss zu wenig Personal hatte und wir aus der 1 Etage das mit auffangen müssen. Durch die Zusammenlegung beider Stationen zu einer. Im Tagdienst müssen wir auch mal oben und mal unten arbeiten. Das war Stress pur.
Ich kannte keinen der dort unten lebenden Bew. Keine ärtzl. Anordung , keine Erkrankung... nicht´s. Wurde einfach ins " kalte Wasser " geschmissen. Wollte das verweigern , wollte eine Einarbeitungszeit haben. War nichts. Du musst da jetzt arbeiten.. auf Anordnung von oben und jetzt geh.
Das war einmal im Mittagdienst. Einzigste exam. ich musste die Medikamente verteilen... teils orientierte und teils desorientierte! Zum Glück mit einer ungelernten Kollegin, die alle die Bew. kannte.
Plötzlich steht mir ein HA gegenüber und sagt zu mir.. die und die Bew. da hab ich ein Medikament geändert. Was ist mit Frau...... Ich nur den Doktor angeschaut und gesagt... es tut mir wahnsinnig Leid, Hr. Doktor... ich bin zum ersten mal hier unten und habe zu den genannten Namen leider KEIN GESICHT! Ich kenne hier niemanden der Bew. Der Doktor war selbst erstaunt und sagte,, Schon wieder was neues? Seit wann müssen sie hier nun oben und unten Arbeiten? Ist schon ein wenig gewöhnlich das alles!" Hab mir dann etwas zum Schreiben geholt und alles mitgeschrieben, damit ich ja nicht´s falsch mache. Gefährliche Pflege nenn ich das.
Na, ja gut.
Also zurück zum Nachtdienst. Wenn 2 exam. in der Nachtwache sind , ist das ok. Dann ist jede für ihren eingeteilten Bereich verantwortlich das heisst für 54 Bew. Bin ich aber die einzigste exam. da geht das schon wieder los... bin ICH verantwortlich für an die 114 Bew.
Es werden 2 Versorgungsrunden gemacht und dann die Lagerungen und dann noch die Schellen, die dann.. man glaubt es kaum, ständig gehen. Ich hab gedacht bei meiner ersten Nachtwache... och dürfte ja nicht so viel sein. Schlafen ja alle. Pustekuchen... wie im Tagdienst.... klar, bei 54 Bew. da muss die eine oder andere mal zur Toilette, auf den Toilettenstuhl oder manche merken noch das sie eingenässt sind und möchten " Trocken " gemacht werden.

Wir dürfen Nachts keinen Fahrstuhl benutzen, mit anderen Worten 10 Stunden Trepp auf Trepp ab. Je nach Lagerungszeiten dann wieder das gleiche... hoch und runter. Zwischendurch wenn da mal ein wenig ruhe eingetreten ist... Dokumentationsarbeit machen. Billanzierungen eintragen.. bei Dauerkatheter, die Ausfuhr. Bei PEG wieviel Wasser noch angehangen wurde, weil die Sondenkost noch nicht durch war über den Tag und am Abend ( Nacht´s) erst durchgeflossen ist.
Die Unterernährten Bew. nochmal mit einem Brot oder Joghurt versorgen, ggf anreichen. Allen Bew. in beiden runden etwas zu trinken anbieten. Wenn sie dann wärend der Versorgung wach wurden.
Desorientierte Bew. die ihr Inko Material heraus gefriemelt haben, weil die Vorlage " nass" war , dann das Bett eingenässt haben... alles neu zu beziehen und die Bew. abwaschen und umziehen. Und neue Inletts fertig machen. Z.B. Oberbett.

Auch da ist die Zeit knapp, man wollte uns eine Stunde als Pausenzeit von der Dienstzeit abziehen. Doch das würde zum Glück rückgänig gemacht, da anhand der Schellenaufzeichnung/Überwachung zu Beweisen war.. das wir manchmal keine Pause haben. Ggf wenn es mal hoch kommt 2x 10 min. Und da bekomme ich auch schon wieder eine Kriese. Früher waren drei NW dann wurde einfach eine gestrichen. Das würde auch mit zweien ausreichen. Wunderbar hab ich mir gedacht ... das kann nicht war sein.
Ein Notfall in der Nacht, schon ist die Versorgung nicht mehr gewährleistet.
ein Bew. der im Sterben liegt..... keine Sterbebegleitung.....auch hier...KEINE ZEIT FÜR ZUWENDUNG!!!
Ein Bew. der/die gestürzt ist im Zimmer... wann finde ich den Menschen.....
Apoplex..... der Bew. stirbt... hääte ich ihn/sie eher gefunden... hätte sie/ er noch gerettet werden können?

Bin ICH jetzt Schuld daran... oder wer trägt dafür die Verantwortung..... ist ein alter Mensch nicht´s mehr Wert? NUR weil er/sie aus dem Bruttosozialprodukt raus ist?
Da ist doch die eine oder andere Trümmerfrau bei... haben die nicht´s für ihr Deutschland getan... warum werden die "ALTEN" behandelt wie der letzte Dreck... warum sperren sich die Krankenkassen... wenn der eine oder die andere mal ein Hilfsmittel benötigt... viele haben doch auch über die Versicherung ihres Mannes die Beiträge bezahlt!

Wenn ein Mensch 'JUNG' ist.. beansprucht er die Krankenkasse nicht... wenn er alt ist bekommt er nicht´s. Manchmal warten wir bis zu 6 Wochen auf einen dämlichen Rollstuhl... da hab ich das Gefühl... ooooch warten wir mal.. vielleicht stirbt die/ der ja...dann können wir uns das SPAREN! Mittlerweile gibt es da ja auch schon SECONDHAND ... nichtmal mehr neue Hilfsmittel ... die gebrauchten werden abgeholt instand gesetzt und weiter gegeben.
Seit dem Wörtchen 'WIRTSCHAFTSKRIESE' drehen alle am Rad. Versuchen sich ein dickes Konto anzulegen ... auf biegen und brechen. Oder besser gesagt auf Gedeih und Verderb!
Egoistisch ... allesamt ... ich warte nur auf den Tag, wo die jenigen die so mit Menschen verfahren mal selber an die Reihe kommen und dann mal ins Altenheim müssen. Ich bete zu Gott... obwohl ich an den nicht glaube ... nur meine STEUER zahle ... das mir einer dieser Personen in meine Hände fällt und er/sie am eigenen LEIB ERFAHREN...WAS sie da verzapft haben. Und dann sind auch diese Menschen 'KEINE' Leitenden Angestellten, Politiker oder sonst was mehr...dann sind auch die einfach nur ein ALTER MENSCH der Bedürfnisse hat.. die er genauso bekommt, wie die alten Menschen, die jetzt in den Heimen leben.
Das ist kein Altenheim mehr ... das ist wieder einmal nur die WARTEBANK ... zum TOD ... lieblos, verlassen, einsam ... allein gelassen!
Schlechtere Bedingungen in der Altenpflege und der ambulanten Pflege
Der defacto Bericht am Sonntagabend in der Hessenschau hat viele aufgeschreckt, ist es doch aber nur eine Meldung von vielen Missständen. Sicher sind mehr Kontrollen wichtig. Noch wichtiger ist es aber, die Situation in der Altenpflege an sich zu verbessern. Die Bezahlung der Fachkräfte in der Altenpflege – stationär wie ambulant - ist viel geringer als in der stationären Krankenpflege. Altenpflegekräfte verdienen im Vergleich mit allen Beschäftigten deutlich weniger, im Westen sind es -17,0 Prozent. Im Vergleich zu den Fachkräften in der Krankenpflege verdienen sie noch weniger (18,2 Prozent). Die Fachkräfte der Kranken- bzw. Altenpflege verdienen bei ambulanten Pflegediensten bis zu einem Drittel weniger als in Krankenhäusern."

Der Druck auf die Mitarbeiter_innen nimmt mit steigenden Zahlen von Pflegebedürftigen – insbesondere mit eingeschränkter Alltagskompetenz -, kürzeren Verweildauern und kurzen Krankenhausaufenthalten deutlich zu. Die Personalbemessung ist ganz besonders in Hessen nicht ausreichend. Während durchschnittlich auf 80 Pflegebedürftige 31 Mitarbeiter_innen in Pflege, Leitung und Qualitätssicherung kommen, hat Hessen mit 30,4 in den westdeutschen Bundesländern den schlechtesten Wert. Und das sagt noch nichts darüber aus, ob das Personal tatsächlich vorhanden ist.

Die Vorstellung, die Probleme in der Altenpflege mit der jetzt vorliegenden Reform der Pflegeausbildung lösen zu wollen, ist abenteuerlich. Ich hoffe auf Einsicht in der Bundes- und auch Landesregierung, dass diese Reform in den Papierkorb gehört. Nicht allein, dass der Aufwand für die Umstellung für die Pflegeeinrichtungen, die Pflegeschulen, die Verwaltung und alle anderen immens hoch ist. In der Kinderkrankenpflege geht man davon aus, dass der aktuell eklatante Fachkräftemangel sich weiter verschärfen wird, weil diejenigen, die eine Ausbildung überlegen, meist kein Interesse haben beispielsweise in der Altenpflege ausgebildet zu werden, umgekehrt ist es unmöglich, dass alle Pflegekräfte in der Praxisphase durch die ungleich kleinere Kinderkrankenpflege durchgeschleust werden können. Aber selbst wenn Sie alle diese Probleme lösen könnten, dann bliebe doch immer noch das Kardinalsproblem der schlechteren Bezahlung und der schlechteren Arbeitsbedingungen.

Wie sollen Langzeitpflegeeinrichtungen mit einem auch durch die neuen Pflegegrade nicht besser finanzierten System mehr Geld für Pflegekräfte ausgeben können, wenn nicht mehr Geld im System vorhanden ist? Sicher, es gibt auch ein paar private Einrichtungen, die trotzdem noch Profite machen, aber das meiste sind doch Einrichtungen, die gar keine Gewinne machen dürfen. Wo soll das Geld herkommen, bitte schön, wenn die Politik nicht dafür sorgt, dass Pflege finanziell ordentlich abgesichert ist?

Da wir gerade bei der Ausbildung sind, müssen wir uns auch den Pflegeschulen zuwenden. Diese haben für ihre neuen Schüler_innen ab 2016 einen geringen Aufschlag in Hessen erhalten. Alles viel zu wenig, aber dazu habe ich schon öfters was gesagt. Eine gute Maßnahme war es von der Landesregierung, ausbildungsbegleitend Sprachunterricht bereit zu stellen. Dies sind sechs Stunden pro Woche für die ganze Ausbildung, selbst für diejenigen, die bereits begonnen haben. Woher die Altenpflegeschulen allerdings bei dem geringen Satz pro Azubi qualifizierte Sprachlehrkräfte finden sollen – wo ja alle anderen Sprach- und Volkshochschulen schon keine finden – ist das Geheimnis der Landesregierung.

Trotz dieser zusätzlichen Ausgabe von sagen wir mal einer drei viertel Million Euro bleibt der bisherige Haushaltsansatz bestehen, es gibt sogar weniger Neubewilligungen. Die Landesregierung begründet das Nichtaufstocken damit, dass der bisherige Ansatz nicht ausgeschöpft wurde. Da ist das Verständnis der Schulen völlig erschöpft und auch unseres. Es wird Geld im Haushalt für die Altenpflegeschulen zur Verfügung gestellt, das Land ist aber nicht in der Lage die Gelder so zu verteilen, das der Ansatz ausgeschöpft, obwohl die Schulen ihre Not, in der sie sich befinden und in der sie auch noch unsinnige Pflegeausbildungsreformen diskutieren und vielleicht auch planen müssen, obwohl sie diese Not deutlich artikuliert haben. Aber das Land legt ja auch keinen Wert darauf, Pflegelehrkräfte auszubilden, das müssen andere Bundesländer erledigen. Wo sollen denn bei dieser mangelhaften Aufgabenwahrnehmung genügend gut ausgebildete Altenpflegekräfte herkommen? Will man sie sich alle im Ausland backen lassen?
Bevor ich zu diesem Thema komme, möchte ich aber kurz auf das Thema Geschlecht und Bezahlung eingehen.

Mehr Frauen in einem Beruf bedeutet schlechtere Bezahlung
Sie kennen ja den Gender Pay Gap, das sind aktuell 22 Prozent, die Frauen durchschnittlich weniger verdienen als Männer in Deutschland. Damit stehen wir am Ende der Entwicklung in der Europäischen Union, hinter uns gibt es nur noch Estland und Österreich. Konkret wird er in den Berufen der Gesundheitswirtschaft, wie sie der Sozialminister nennt. Es freut uns, wenn Sie die Frauen als wichtige Zielgruppe entdecken, weil hier das quantitativ größte Fachkräftepotenzial liegt. Das ist aber nichts neues, Frauen wurden umworben, wenn man sie auf dem Arbeitsmarkt gebraucht hat, wenn das nicht mehr der Fall ist, führt man wieder eine Herdprämie ein. Herr Minister, sie sorgen sich, dass Frauen in der Gesundheitswirtschaft keine Führungspositionen einnehmen. Da stimmen wir Ihnen durch bei. Allerdings sollten sie in allen wirtschaftlichen und politischen Feldern paritätisch in Leitungen vertreten sein. In der Pflege und den verwandten Berufen haben wir allerdings eine doppelte Benachteiligung von Frauen. Das ist viel eher unsere Sorge, weil wir es in einem für die Menschen wichtigen Sektor mit besonders schlechten Arbeitsbedingungen zu tun haben.

In Deutschland verdienen Fachkräfte in den Bereichen Gesundheit und Pflege weniger als Beschäftigte mit ähnlicher Qualifikation in anderen Berufen. Auch im internationalen Vergleich liegt Deutschland zurück: In kaum einem anderen Land verdienen ausgebildete Pflegerinnen – gemessen am mittleren Einkommen aller Beschäftigten – so wenig. Bei dem pädagogischen Personal ist es nur besser, wenn man die Lehrkräfte mitrechnet.

Das zweite Phänomen ist, das Frauen in Pflegeberufen grundsätzlich weniger als die männlichen Kollegen verdienen. Der Gender Pay Gap ist bei den Krankenpflegerinnen und Krankenpflegern auf Fachkräfte- und Helferniveau relativ hoch und liegt bei 9,4 Prozent, während er bei den Altenpflegerinnen und Altenpflegern geringer ausfällt und bei 4,5 Prozent liegt. Herr Grüttner, sorgen Sie für bessere Ausstattung der sozialen Berufe, damit Frauen und Männer bessere Arbeitsbedingungen und die Menschen bessere Versorgung bekommen.

Nicht anwerben sondern ordentlich bezahlen
Wenn die Arbeitskräfte in einem Berufszweig nicht ausreichen, kommt der Reflex, sie im Ausland anzuwerben. Das kennen wir in der Bundesrepublik ab 1950. Zuerst kamen sie aus der DDR, dann aus Italien, Türkei, etc., gerade auch Krankenschwestern aus Südkorea, selbst während des Krieges wurde aus Jugoslawien medizinisches Personal geholt. Das heißt, wir werben in ärmeren Ländern Ärzte und Pflegekräfte ab, obwohl diese dort dringend gebraucht werden, aktuell kommen sie aus Vietnam, Tunesien, China und den Philippinen. Es gibt zwar einen Kodex, dass die Anwerbung von Pflegekräften aus 57 Ländern, z. B. Kenia und Indien, die seit 2006 unter einem krisenhaften Mangel an Gesundheitsfachkräften litten, illegal ist. Daraufhin verlegte sich Deutschland auf die Anwerbung aus den EU-Ländern, vor allem Tschechien, Polen, Rumänien – wohin die Ausschussreise des SIA ging –, aber auch aus Griechenland, Italien, Portugal und Spanien. In Hessen funktioniert dieses aber nicht unbedingt dauerhaft. Da in fast allen Ländern die Pflegeausbildung eine akademische ist, haben die Fachkräfte aus dem Ausland das Problem, sich in der Hierarchie der Einrichtung einzupassen und sind verwundert, dass sie Pflegetätigkeiten durchführen müssen, die zu Hause von Hilfskräften gemacht werden. Viel problematischer ist allerdings, dass das medizinische Fachpersonal in den Herkunftsländern fehlt. Rumänien hat seit dem EU-Beitritt die Hälfte seiner Ärztinnen und Ärzte (14.000) verloren. Zwischen 100.000 und 300.000 werden die Pflegekräfte aus Osteuropa geschätzt, die in deutschen Privathaushalten tätig sind – meist zu ausbeuterischen Bedingungen und in rechtlichen Grauzonen. Ich hoffe, nicht betonen zu müssen, dass ich Menschen nicht das Recht abspreche, dort zu leben und zu arbeiten, wo sie wollen. Allerdings darf die Anwerbung von Arbeitskräften nicht die bedarfsgerechte Ausbildung im Sozial- und Gesundheitssystem ersetzen. Die Anwerbung ist kein Ersatz für gute Arbeitsbedingungen, so dass sich junge oder ältere Menschen gerne für diesen Beruf entscheiden. Die Anwerbung von Arbeitskräften im Gesundheitsbereich darf nicht zu Problemen im Herkunftsland, sie darf nicht zu Arbeitskräften minderer Rechte und sie darf nicht dazu führen, dass die Arbeitsbedingungen nicht verbessert werden. Hier sind wir uns mit der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege einig, die sagt: „Aus fachlicher Sicht kann das Zuwanderungsrecht keinesfalls strukturelle Probleme des Arbeitsmarktes und der Pflege lösen.“

Es gibt nicht wenige Arbeitslose oder geringfügig Beschäftigte, die gerne einer qualifizierten und ordentlich bezahlten Arbeit nachgehen würden. Und da ist es egal, ob es Menschen sind, die schon lange in Deutschland leben, hier geboren sind, deren Vorfahren schon immer in Hessen angesiedelt waren oder die vor kurzem erst eingewandert sind. Hier gibt es ein großes Arbeitskräftereservoir gerade für Berufe, in denen ein Mangel an Arbeitskräften herrscht. Fast 25 Prozent der jungen Menschen zwischen 25 und 35 Jahren haben in Hessen keine berufliche Qualifikation. Auch wenn ein paar dabei sind, die den Abschluss konkret vor Augen haben, ist dies eine erschreckende Größe. Da kann man eine Menge tun. Ein materielles Hindernis für die Ausbildung ist die Ausbildungsvergütung, von der man keine Familie ernähren kann und die vielen Ausschlüsse beim Arbeitslosengeld II für Auszubildende und Berufschüler_innen. Auch wenn die neuen Regelungen etwas besser sind, ist es doch ein Hindernislauf zwischen Bafögamt, Kinder- und Wohngeldkasse, Jobcenter und noch ein paar Behörden, um festzustellen, ob man sich eine Ausbildung leisten kann. Die Arbeits- und Ausbildungsprogramme der Landesregierung sind dabei wenig hilfreich. Wenn ich nur an Hepas denke, wo Arbeitgeber Geld für berufliche Eingliederung erhalten. Das funktioniert nur sehr selten. Warum müssen eigentlich Arbeitsmarktintegrationsmaßnahmen immer befristet sein, so dass die Anleitungs- und pädagogischen Kräfte in permanenter Unsicherheit leben müssen? Hier könnte die Landesregierung aktiv werden und zumindest bei ihren eigenen Programmen für bessere Arbeitsbedingungen bei den Fachkräften sorgen.
Die Landesregierung hat tatsächlich eine Menge zu tun. Ich erwarte bessere Rahmenbedingungen im Sozial- und Gesundheitsbereich. Das sind meine Anforderungen an den Sozialminister.

Gute Arbeit in sozialen Berufen
Eigentlich ist das ganze Problem mit guter Arbeit in sozialen Berufen sehr einfach zu lösen. Verbessern Sie die Arbeitsbedingungen in den sozialen Berufen, sorgen Sie für eine anständige Bezahlung der Mitarbeiter_innen, für eine bessere Wertschätzung und gute Ausstattung. Jetzt möchte ich aber nicht hören, dass das eine tarifliche Angelegenheit ist. Die Wohlfahrtsverbände, die Kommunen, die Kirchen und die Vereine würden doch liebend gerne ihre Mitarbeiter_innen ordentlich bezahlen und unbefristet beschäftigen. Schon alleine deshalb, dass sie nicht ständig neue suchen müssen. Dazu brauchen sie aber finanzielle Möglichkeiten und da muss die Politik die Rahmenbedingungen schaffen. Das Sozial- und Gesundheitswesen handelt nicht mit Waren, die auf einem Markt verhökert wird. Es geht um Menschen und deren elementaren Bedürfnisse. Diese sollten uns mehr Wert sein.